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Was Pferde wirklich unter Druck setzt

„Mit Druck geht bei meinem Pferd gar nichts“
Diesen Satz höre ich immer wieder, wenn über Druck in der Pferdearbeit diskutiert wird. Gemeint ist damit meist, dass Pferde nicht darüber nachdenken, ob ein Hilfsmittel besonders weich oder besonders deutlich ist. Sie bewerten Druck nicht nach unseren menschlichen Maßstäben. Sie sitzen nicht auf der Koppel und unterhalten sich darüber, ob das Halfter aus Seil, Leder oder Stoff besteht. Sie beschäftigen sich auch nicht mit den Begriffen, die wir Menschen für verschiedene Trainingsmethoden verwenden.
Und doch greift dieser Satz für mich zu kurz.
Denn natürlich reagiert ein Pferd auf Druck. Die entscheidende Frage ist nur, worauf es tatsächlich reagiert. Reagiert es auf den Druck selbst oder auf das, was mit diesem Druck verbunden ist?
Wenn ein Pferd nicht versteht, was wir von ihm möchten, wenn die Signale unklar sind, wenn die Intensität unangemessen ist oder wenn der Druck nicht im richtigen Moment nachlässt, entsteht Unsicherheit. Das Pferd lernt dann nicht die gewünschte Aufgabe, sondern erlebt Verwirrung, Frustration und Stress.
Auf der anderen Seite kann derselbe Druck für ein Pferd völlig unproblematisch sein, wenn er verständlich, fair und nachvollziehbar eingesetzt wird. Wenn ein roter Faden und damit eine Kommunikation aus der Verwirrung führt und in Klarheit eintauscht. Ein leichter Impuls kann enorm belastend sein, wenn das Pferd keine Antwort kennt. Ein deutlich stärkerer Impuls kann dagegen kaum eine Rolle spielen, wenn das Pferd genau weiß, wie es darauf reagieren kann.
Genau deshalb glaube ich, dass wir manchmal die falsche Diskussion führen.
Wir sprechen häufig darüber, wie viel Druck verwendet wird, obwohl die viel wichtigere Frage lautet, wie verständlich dieser Druck für das Pferd ist. Ein Pferd sucht in erster Linie nach Orientierung. Es möchte verstehen, welche Antwort erfolgreich ist. Es möchte Klarheit.
Denken wir an einen Menschen, der eine Aufgabe lösen soll, ohne die Regeln zu kennen. Schon eine kleine Anforderung kann enormen Stress auslösen. Erhält derselbe Mensch dagegen eine verständliche Erklärung und einen klaren Lösungsweg, fühlt sich selbst eine anspruchsvolle Aufgabe oft deutlich leichter an.
Für Pferde ist das nicht grundsätzlich anders.
Deshalb messe ich gutes Training nicht daran, wie wenig Druck eingesetzt wird. Ich messe es daran, wie schnell das Pferd versteht, wie sicher es sich dabei fühlt und wie leicht es eine Antwort finden kann.
Denn Druck allein erzählt noch nichts über die Qualität eines Trainings.
Entscheidend ist, ob der Druck dem Pferd hilft, eine Lösung zu finden, oder ob er es in der Unsicherheit zurücklässt.
Vielleicht ist die eigentliche Frage also nicht, ob Druck verwendet wird oder nicht. Vielleicht sollten wir vielmehr darüber nachdenken, ob unser Pferd durch unsere Hilfen mehr Klarheit oder mehr Verwirrung erlebt.
Denn was Pferde wirklich belastet, ist oft nicht der Druck selbst, sondern das Gefühl, keine Antwort zu haben.
Und genau dort beginnt für mich pferdegerechtes Training: Nicht bei der möglichst druckfreien Arbeit, sondern bei der Suche nach Verständlichkeit, Orientierung und einem Weg, auf dem das Pferd erfolgreich sein kann.
Im Sinne des Pferdes.

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