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Was ich von Führanlagen und Laufmaschinen halte

 Man könnte es kurz und knackig machen, für alle, denen meine Texte meist zu lang sind:

Gar nichts!

Für alle anderen teile ich gerne ein paar mehr Gedanken dazu.

Schon öfter habe ich über Gangqualität geschrieben und darüber, wie sehr Aufmerksamkeit, Motivation und innere Beteiligung die Bewegung und damit auch die körperliche Entwicklung eines Pferdes beeinflussen.

Wenn man diesen Gedanken einmal wirklich zu Ende denkt, wird es schwierig, eine Führanlage noch als sinnvolle Form von Bewegung zu betrachten.

Von einem Pferd zu verlangen, stoisch im Kreis zu laufen, ohne Abwechslung, ohne erkennbaren Sinn, ohne Ziel und ohne echte Kommunikation, empfinde ich bereits als problematisch. Dabei spielt es für mich nur eine untergeordnete Rolle, ob das Pferd alleine seine Runden dreht oder gemeinsam mit mehreren Artgenossen, denn innerhalb der Führanlage sind sie ja auch wieder voneinander getrennt unterwegs.

Pferde sind keine Maschinen, die Kilometer sammeln müssen. Bewegung ist weit mehr als das Zurücklegen einer Strecke. Bewegung beginnt im Kopf.

Jeder Pferdemensch kennt den Unterschied zwischen einem Pferd, das läuft um irgendwo anzukommen, und einem Pferd, das lediglich seine Füße bewegt. Von außen mögen beide laufen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt einen gewaltigen Unterschied. Der Blick ist anders. Die Körperspannung ist anders. Die Oberlinie arbeitet anders. Das Pferd trägt sich anders.

Ein Pferd, das innerlich abgeschaltet seine Kreise zieht, entwickelt weder seine Koordination noch effektiv Kondition. Es lernt häufig vor allem eines: die Situation über sich ergehen zu lassen und sich ihr anzupassen.

Dabei wird oft argumentiert, dass Führanlagen dem Muskelaufbau dienen würden. Doch Muskeln entstehen nicht einfach dadurch, dass Beine bewegt werden. Sinnvoller Muskelaufbau entsteht durch Qualität der Bewegung, Balance und  Aufmerksamkeit. Genauer gesagt durch aktive Nutzung des Körpers.

Ein Pferd baut nicht die Muskulatur auf, die wir uns wünschen, sondern die Muskulatur, die es für die jeweilige Aufgabe benötigt. Deshalb macht es einen Unterschied, ob ein Pferd aufmerksam und bewusst seinen Körper organisiert oder ob es lediglich Runde für Runde dieselbe Bewegung wiederholt.

Jeder Sportler weiß, dass zehntausend Schritte durch eine Einkaufspassage nicht dasselbe sind wie zehntausend Schritte eines gezielten Trainings. Warum sollte das beim Pferd anders sein?

Noch kritischer wird es, wenn man sich die psychische Seite anschaut.

Pferde sind intelligente, soziale und neugierige Lebewesen. Sie sind darauf ausgelegt, ihre Umwelt wahrzunehmen, Entscheidungen zu treffen, Beziehungen zu pflegen und auf Veränderungen zu reagieren. In einer Führanlage wird all das auf ein Minimum reduziert. Das Pferd soll laufen, Runde für Runde, ohne selbst Einfluss auf Richtung, Tempo oder Ziel nehmen zu können.

Die Tatsache, dass Pferde Fluchttiere sind, trägt zusätzlich dazu bei, ihre Energie für den Ernstfall oder zumindest für einen guten Grund aufzusparen. Angriff, Fortpflanzung, Futter- und Wassersuche oder die Gemeinschaft mit der Herde sind für ein Pferd gute Gründe, sich in Bewegung zu setzen. Eine Maschine, die es im Kreis bewegt, gehört für mich nicht dazu.

Vielleicht lohnt es sich einmal bewusst hinzusehen. Wie viele Pferde gehen freiwillig und mit Freude in eine Führanlage? Von den Pferden einmal abgesehen, die längst gelernt haben, dass sie ohnehin keine andere Wahl haben. Wie viele Pferde zeigen dort die gleiche Motivation wie auf dem Weg zur Weide, zur Herde oder im Gelände unterwegs mit Artgenossen?

Natürlich gewöhnen sich viele Pferde daran. Sie gewöhnen sich an Boxenhaltung, an Isolation, an Langeweile und an zahlreiche Dinge, die wir deshalb noch lange nicht als pferdegerecht bezeichnen würden. Aber haben sie denn eine Wahl?

Nur weil sie etwas ohne Widerstand hinnehmen, bedeutet das noch lange nicht, dass es ihnen gefällt, ihnen guttut oder dass sie davon profitieren.

Für mich ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob ein Pferd die Führanlage toleriert. Sondern ob sie etwas ist, das sein Leben tatsächlich bereichert. Und genau dort lautet meine Antwort ganz klar: Nein.

Wenn ich einem Pferd Bewegung schenken möchte, dann wünsche ich mir Bewegung mit Sinn und vielmehr noch, mit Qualität. Bewegung, die den Körper fordert und gleichzeitig den Geist einlädt mitzumachen. Bewegung, bei der ein Pferd aufmerksam wird, neugierig bleibt, Entscheidungen treffen darf und seinen Körper bewusst benutzt.

Denn genau dort entsteht für mich Gesundheit.

 

Nicht durch möglichst viele Runden im Kreis, sondern durch Bewegung, die Bedeutung hat.

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