In der letzten Woche durfte ich wieder Staffel 7 in ihrer Pferdearbeit begleiten. Während des Unterrichts mit einer sehr anspruchsvollen Jungstute stellte sich mehr und mehr heraus, dass sich in der Freiarbeit ein neues Muster etabliert hatte. Je nach Wetter, hauptsächlich bei starkem Wind, verstärkte sich ihr Unwohlsein in der hinteren Hälfte des Round Pens. Gebüsch und verschiedene Hindernisse sorgten dort für Unübersichtlichkeit, und häufig war das Rascheln im Gebüsch Auslöser für angestaute Übersprungshandlungen.
Über das Phänomen, dass es scheinbar auf jedem Reitplatz, in jeder Reithalle und in jedem Round Pen eine bestimmte Stelle gibt, die für viele Pferde besonders spooky ist, habe ich bereits einige Beiträge geschrieben. Doch diesmal ging es gar nicht so sehr um diese Ecke des Round Pens. Meine Aufmerksamkeit richtete sich vielmehr auf den Bereich, den die Stute bevorzugte – nah an der Herde und möglichst weit entfernt vom Gebüsch.
Dieser Bereich schien ihr Ort der größtmöglichen Sicherheit zu sein. Dort wirkte sie ruhiger. Dort ließ sie sich einsprühen. Dort tolerierte sie Berührungen mit Dingen, die sie an anderen Stellen deutlich kritischer betrachtete – Seile, Fähnchen und andere Gegenstände. Es war der Platz, an dem sie die größte Bereitschaft zeigte, Unangenehmes auszuhalten und trotzdem bei sich zu bleiben.
Während wir mit ihr arbeiteten, fragte ich mich, wie diese Information wohl die Herangehensweise der Menschen beeinflusst. Also stellte ich eine Frage:
„Wenn ihr wisst, dass es einen Ort gibt, an dem sich ein Pferd besonders wohlzufühlen scheint – welche Konsequenz zieht ihr daraus?“
Es gab unterschiedliche Gedanken hierzu. Der erste ist wohl der offensichtlichste:
1. Wenn es ihr hier besonders gut geht, könnte man schwierige Dinge dort zuerst präsentieren.
2. Wenn sie sich dort sicherer fühlt, könnte man neue Übungen bevorzugt an diesem Ort beginnen.
3. Man könnte diesen Bereich nutzen, um nach schwierigen Momenten wieder Ruhe einkehren zu lassen.
4. Vielleicht wäre es sinnvoll, häufiger dort zu arbeiten, weil vieles leichter und konfliktfreier gelingt.
Alles nachvollziehbare Gedanken und durchaus bekannte Ansätze.
Das Wesentlichste, was mir diese Stute jedoch gezeigt hat, war etwas anderes.
Wenn es ihr hier so gut geht, dass sie ihre Toleranzgrenze deutlich erweitern kann, sollte es dann nicht meine Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass sie sich an allen anderen Plätzen ebenfalls so fühlen kann?
Denn Wohlbefinden und innere Ruhe dürfen nicht an einen Ort gebunden sein.
Vielleicht besteht die eigentliche Aufgabe darin, den Wohlfühlplatz als Inspiration zu betrachten und das, was ihn ausmacht, zu einem ortsunabhängigen Ziel werden zu lassen. Denn es könnte sein, dass der Schein trügt.
Vielleicht fühlt sie sich dort gar nicht so außergewöhnlich wohl.
Vielleicht fühlt sie sich dort einfach nur ein bisschen weniger unwohl.

Kommentar schreiben