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Von dem Zwiespalt, konsequent klar und weich zu sein

 

Im Leben eines Pferdemenschen geht man oft durch viele Phasen hindurch. Da ist die Phase des Kindes, der Wunsch nach Leichtigkeit, Freude und einem Freund, der immer für einen da ist. Pferde reagieren auf Kinder häufig nachsichtiger als auf Erwachsene, und so tragen viele Menschen die Erinnerung an ihre ersten Begegnungen mit Pferden ein Leben lang in ihrem Herzen. Erinnerungen voller Freude, voller Energie und tausend schöner Momente. Als das Leben nur aus Ponyferien und endlosen Ritten bestand.

Der Ernst des Lebens beginnt, und die Pferde werden irgendwann schwieriger. Man hat das Gefühl, je mehr man bemüht ist, umso schwieriger wird es. Kennst du dieses Gefühl? Irgendwann kommt man an dieses Pferd, das nicht zur Freude zu dir geschickt wurde, sondern an dem du lernen wirst. Mehr lernen als bei all den anderen Pferden zuvor.

Du merkst, du möchtest eine andere Beziehung mit deinem Pferd und steigst aus dem Reitsport aus. Jahrelang hast du vielleicht Dinge gemacht, die sich schon lange nicht mehr gut angefühlt haben. Dein Bewusstsein ist gewachsen, und irgendwann stehst du da und weißt, du kannst nicht mehr zurück. Zurück zu dem Leben, in dem du gedankenlos in den Stall gegangen bist, dein Pferd gesattelt hast und einfach losgeritten bist, um alles hinter dir zu lassen.

Denn nun nimmst du andere Dinge wahr. Du spürst das Unwohlsein in deinem Pferd, wenn es ihm nicht gut geht. Du erkennst seine Sprache besser und kannst einfach nicht mehr darüber hinweggehen, wenn es versucht, dir etwas mitzuteilen. Denn irgendwann ist da der Wunsch nach echter Beziehung und ehrlicher Kommunikation mit diesem wunderschönen Wesen, für das du die Verantwortung übernommen hast.

Da stehst du also an einem Wendepunkt und haderst mit dir und dem Zwiespalt zwischen Klarheit und Härte. Denn Klarheit wirkt für viele erst einmal hart. Grenzen möchte man eigentlich nicht setzen – im Wunsch nach einer liebevollen Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Man sehnt sich zurück nach der Leichtigkeit der Kinderzeit und steht gleichzeitig vor der nächsten großen Aufgabe: weiche Klarheit zu leben.

Um dort anzukommen, macht man Fehler, wie immer, wenn man etwas Neues lernt. Und oft führt einen diese Aufgabe direkt zu den eigenen Themen. Zum Harmoniebedürfnis. Zu dem Wunsch, gemocht und geliebt zu werden. Zu der Angst, abgelehnt zu werden. All diese Gefühle sind da, sie sind menschlich und sie sind echt. Gleichzeitig machen sie es schwer, dem Pferd wirklich gerecht zu werden.

Das Festhalten an alten Gewohnheiten bringt einen nicht weiter. Plötzlich fühlt man sich in der Welt der Pferde wieder wie ein Anfänger. Obwohl man vielleicht jahrelang Erfahrungen gesammelt hat, scheint vieles, was früher selbstverständlich war, nun nicht mehr so einfach. Wo doch früher immer alles geklappt hat, weiß man heute nicht mehr, ob man dem Pferd gerecht wird, wenn man es nur führen möchte. Je mehr Bewusstsein man entwickelt, desto deutlicher werden oft auch die eigenen Fehler sichtbar.

Es ist kein leichter Weg, aber es ist ein wunderschöner. Denn er führt dich zu einer Beziehung, die so viel echter ist als das, was du früher über Gehorsam erreicht hast. Echter als das, was du bekommst, wenn du deinem Pferd nun alles nachlässt. Denn wenn du wirklich klar und für dein Pferd wichtig bist, bekommst du eine Aufmerksamkeit und ein Vertrauen, das es dir ermöglicht, leicht zu werden – für dein Pferd, mit deinem Pferd.

Die Klarheit, die du deinem Pferd gibst, wirkt auf andere, die es nicht verstehen, vielleicht hart. Doch das Ergebnis, das das Pferd dir zeigt, ist Durchlässigkeit, Vertrauen und ehrlicher Dialog. Ohne Leckerli, ohne Härte, ohne Dominanz. Dein Pferd zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist. Egal, was die anderen von dir denken.

Es ist ein Weg zwischen den Extremen. Zwischen dem Pferd als Sportgerät und dem Pferd als Kindersatz. Zwischen Dominanz und grenzenloser Nachgiebigkeit. Zwischen „Du hast zu funktionieren“ und „Ich lasse alles zu“. Ein Weg, auf dem Beziehung entstehen kann, ohne dass einer den anderen verliert.

Eine wunderschöne Ebene, die dir hilft, bei dir selbst anzukommen und von deinem Pferd wahrgenommen zu werden.

Jeden Tag darf ich Menschen begleiten, die sich genau auf diesen Weg gemacht haben. Menschen, die keine Mühe scheuen, die zweifeln, hinterfragen, lernen und wachsen. Menschen, die bereit sind, nicht nur ihr Pferd besser zu verstehen, sondern auch sich selbst.

Und immer wieder sehe ich diesen Moment, in dem sie spüren: Genau das habe ich eigentlich die ganze Zeit gesucht.

Nicht die perfekte Technik. Nicht die nächste Methode. Sondern eine echte Verbindung.

Diese Momente miterleben zu dürfen, erfüllt mich mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit. Denn sie erinnern mich immer wieder daran, warum ich diesen Weg selbst gewählt habe.

 

 

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