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Einladen oder Eintreiben – welche Beziehung willst du wirklich?

Auch wenn ich schon öfter über das Einladen geschrieben habe, zeigt dieser Beitrag sehr deutlich, wie unterschiedlich dieses Wort gelebt wird – und wie sehr sich dahinter Denkweisen verbergen können, die auf den ersten Blick ähnlich wirken, sich für das Pferd jedoch vollkommen anders anfühlen.

 Je mehr sich in der Pferdewelt entwickelt, umso mehr scheint das Bewusstsein für das Wesen Pferd verloren zu gehen.

Wenn ich manchmal kleine Video-Clips sehe, in denen ein Pferd nach Aufforderung auf einen zu galoppiert oder trabt, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken – nicht vor Begeisterung, sondern vor Entsetzen. Mir scheint, es gibt kaum Grenzen für die psychische Qual, die man den Pferden unter dem Mäntelchen der Freiwilligkeit antun kann.

Pferde rennen auf ihre Menschen zu, aber nicht mit gespitzten Ohren und offenen, weichen Augen, sondern häufig mit angelegten Ohren, angespannten Nüstern und einem Blick, der eher schmal und verschlossen wirkt als wach und interessiert. Und wenn man beginnt, genauer hinzusehen, kann man erahnen, dass der Druck, der entsteht, wenn sie nicht kommen, oft deutlich unangenehmer ist als das Kommen selbst. Diese Art zu arbeiten setzt der erlernten Hilflosigkeit noch etwas oben drauf und entfernt uns leise, aber konsequent von dem, was wir eigentlich suchen – eine harmonische Basis und ein vertrauensvolles Miteinander.

Viele kennen die Join-up-Methode nach Monty Roberts, bei der das Pferd so lange getrieben wird, bis es Anzeichen von Ermüdung zeigt, den Kopf absenkt und sich – so ist es tatsächlich gewollt – unterordnet. Am Ende bleibt ihm nichts anderes, als zwischen zwei unangenehmen Optionen zu wählen, „between a rock and a hard place“. Ich persönlich kann damit nichts anfangen, vielleicht, weil es sich für mich nie stimmig angefühlt hat und weil ich in den Pferden etwas sehe, das nicht über Druck entstehen sollte, sondern über Verständnis und echte Verbindung.

Und doch begegnet man immer häufiger Ansätzen, in denen das Pferd „freiwillig“ zum Menschen kommen soll. Wobei dies sehr fern von freiwillig ist, wenn hinter einem sogenannten Cue – also einem erlernten Signal – nicht nur eine Information steht, sondern auch die Erfahrung, dass es unangenehm wird, wenn keine Reaktion erfolgt? Psychischer Druck wird dabei oft zur Lösung, und das Ergebnis ist ein Pferd, das kommt, im Trab, im Galopp, scheinbar motiviert, während der Gesichtsausdruck gleichzeitig etwas ganz anderes erzählt.

Was ist mir also beim Einladen wichtig?

Ich mache mich nicht klein, gehe auch nicht in die Hocke um unsicher Pferde dadurch mehr zu unterstützen, denn ich möchte ihnen sicherheit und Souveränität signalisieren, das kann ich nicht wenn ich mich kleiner mache als sie.

Auch gehe ich nicht rückwärts, egal in welchem Tempo. Was ich auf keinen Fall möchte ist es einen Sog zu kreieren indem ich das Pferd reinziehe.

Keinesfalls wende ich mich ab und zeige ihm meinen Rücken, das hat die Energie als würde ich etwas verbergen.

Es ist meine Absicht angenehm einladend für das Pferd zu sein, in meinem Ausdruck und meiner Energie. Ich möchte das Zuhause sein, zu dem man immer gerne zurück kommt. Also bin ich entspannt, schaue meinem Pferd freundlich entgegen, und freue mich auf seinen „Besuch“.

Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich nicht loslässt, weil ich mich frage, wie oft wir gelernt haben, auf das Verhalten zu schauen und dabei verlernt haben, wirklich hinzusehen – wahrzunehmen, was im Inneren des Pferdes geschieht.

Was bedeutet das Einladen für mich?

An der Art und Weise, wie ein Pferd nach dem Einladen zu mir kommt, kann ich unglaublich viel über seinen Gemütszustand ablesen. Ich sehe, ob es noch vorsichtig ist, weil ihm Klarheit fehlt, ob es zögert, weil Erfahrungen in ihm nachwirken, oder ob es beginnt, sich einzulassen. Für mich ist das kein „Funktionieren“, sondern ein feines Stimmungs- und Gefühlsbarometer, das mir zeigt, was dieses Pferd gerade braucht.

Es geht dabei nicht um Dominanz, sondern darum, wie ich unser Miteinander so gestalte, dass das Pferd gerne zu mir kommt, weil es bei mir einen Ort erkennt, an dem es sich wohlfühlen kann – einen sogenannten Soft Spot. Einen Platz, an dem nichts eingefordert werden muss, sondern etwas entstehen darf. Meine Intention ist es, genau das spürbar zu machen: dass es bei mir sicher ist, dass hier Verbindung entstehen kann, dass hier Raum ist für Pause, für Kontakt und für ein gemeinsames Weitergehen.

Und was, wenn es nicht kommt?

Dann ist mehr Druck ganz sicher nicht die Antwort, denn das würde nur neue Verwirrung schaffen. Das Pferd sagt damit nicht „Ich will nicht“, sondern oft eher „Ich kann gerade noch nicht“, weil vielleicht Sicherheit fehlt oder Verständnis und Vertrauen. Und genau das würden wir durch Wegtreiben kaum verbessern. Was es stattdessen braucht, ist, im Dialog zu bleiben, Fragen zu stellen und Antworten zu geben, sodass über diesen Austausch eine Verbindung entstehen kann, die trägt.

Gerade bei Pferden, denen es schwerfällt, sich einzulassen, sind es oft die leisen Momente, die am meisten bedeuten. Wenn sie beginnen, von sich aus zu fragen, selbst die Idee bekommen zu mir zu kommen. Das zeigt mir dass sie nun in der Lage sind sich ein Stück zu öffnen, und man spürt, dass etwas in Bewegung kommt. Vielleicht berührt mich genau das so sehr, weil ich immer wieder erlebe, wie viel ein Pferd bereit ist zu geben, wenn es sich wirklich sicher fühlt.

Mit der Zeit werden diese Momente klarer und häufiger, und dann kann man beginnen, sie sanft zu strukturieren und dem Pferd auch einmal freundlich zu sagen: „Jetzt noch nicht, aber gleich.“

Immer wieder habe ich beobachtet, wie sehr die Art der vorherigen Arbeit beeinflusst, ob und wie ein Pferd in die Mitte kommt. Je klarer und stimmiger es sich außen orientieren kann, desto sicherer findet es den Weg zu mir zurück, und genau in diesem Prozess entstehen so viele kleine, oft unsichtbare Denkbewegungen, wenn man dem Pferd die Zeit dafür lässt.

Und dann gibt es diese besonderen Momente, in denen ein Pferd, das lange gezögert hat, beginnt, seinen Menschen wirklich anzusehen, und man fast beobachten kann, wie ein Gedanke entsteht und Form annimmt, bevor es sich mit bewussten, ruhigen Schritten in Bewegung setzt. Mit weichem Maul, feinen Kaubewegungen, sanften Augen und aufmerksam nach vorne gerichteten Ohren kommt es schließlich an – nicht getrieben, nicht gedrängt, sondern weil es sich selbst dazu entschieden hat.

Und genau in diesem Ankommen, in diesem ehrlichen Loslassen, wenn der Kopf sich senkt und Entspannung spürbar wird, entsteht etwas, das sich nicht erzwingen lässt.

Man kann es nur einladen.

 

 

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