Missinterpretationen meiner Arbeit
Immer wieder begegnet mir der Satz: „Meine Trainerin arbeitet ähnlich wie du.“ Und ich verstehe, wie das gemeint ist – wertschätzend, offen und oft auch mit dem Wunsch, etwas wiederzuerkennen, das sich stimmig anfühlt. Gleichzeitig ist es in den meisten Fällen nicht wirklich zutreffend. Denn ähnliche Worte, einzelne Techniken oder ein vergleichbares Auftreten bedeuten noch lange nicht, dass die Arbeit in ihrer Tiefe die gleiche ist.
Ich kenne energetische und spirituelle Ansätze aus eigener Erfahrung und weiß, dass sie etwas bewegen können. Sie können Wahrnehmung öffnen, Prozesse anstoßen und auch unterstützen. Genau deshalb spreche ich ihnen ihre Berechtigung nicht ab. Und dennoch liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit ganz bewusst an einer anderen Stelle. Sie ist im Kern bodenständig, klar und im direkten Tun mit dem Pferd verankert. Es geht nicht darum, Dinge nur zu fühlen oder zu interpretieren, sondern darum, im realen Moment Orientierung zu geben und mit dem Pferd konkret zu arbeiten.
Was dabei oft vermischt wird, ist der Unterschied zwischen Energie in der Pferdearbeit und Energiearbeit am Pferd. Für mich beschreibt Energie in der Pferdearbeit die innere Qualität, mit der wir einem Pferd begegnen – unsere Präsenz, unsere Klarheit, unsere Ausrichtung. Diese Energie zeigt sich nicht abstrakt, sondern ganz konkret in unserem Handeln, in unserem Timing, in unserer Konsequenz und darin, ob das Pferd uns versteht und folgen kann.
Energiearbeit am Pferd kann hingegen ein wertvoller begleitender Ansatz sein, der beruhigt, reguliert oder Prozesse in Bewegung bringt. Beides hat seinen Platz, doch es ist nicht dasselbe.
Gerade bei Pferden, die belastende oder verunsichernde Erfahrungen gemacht haben, zeigt sich, wie entscheidend diese Unterscheidung ist. Ein Pferd reagiert nicht „schwierig“, sondern aus seiner inneren Überzeugung heraus. Für das Pferd geht es immer ums Überleben. Wenn es einmal die Überzeugung entwickelt hat, dass eine bestimmte Situation lebensbedrohlich ist, wird es alles daransetzen, genau diese zu vermeiden. Nicht aus Unwillen, sondern aus einem tief verankerten Schutzmechanismus.
Wenn wir in solchen Momenten ausschließlich beruhigen, ausweichen oder versuchen, das Pferd über Distanz zu regulieren, kann es passieren, dass wir genau diese Überzeugung ungewollt bestehen lassen. Nicht, weil es falsch gemeint ist, sondern weil dem Pferd die entscheidende Erfahrung fehlt, die es braucht, um seine Sicht wirklich zu verändern.
Denn nachhaltige Veränderung entsteht nicht im reinen Gefühl, sondern im Erleben und Erfahrungen machen die die eigene Überzeugung ändern lassen. Und genau an diesem Punkt kommt Führung ins Spiel. Nicht als Druck oder Zwang, sondern als klare, verlässliche Orientierung im Moment. Als ein Mensch, der nicht nur versteht, sondern auch handelt und dem Pferd damit einen Weg durch eine Situation ermöglicht.
Ein Pferd durch solche Momente zu begleiten bedeutet nicht, es zu übergehen oder zu überfordern, aber eben auch nicht, es in seiner Komfortzone zu belassen. Wenn ein Pferd dauerhaft in dieser Komfortzone bleibt, beginnt seine Welt im übertragenen Sinne zu schrumpfen. Nicht, weil es weniger fähig wäre, sondern weil es keine neuen Erfahrungen machen kann, die seine bisherigen Überzeugungen erweitern. Es bleibt in einem engen Rahmen dessen, was es bereits kennt und als sicher abgespeichert hat.
Erst durch klar geführte Situationen, die anfangs Überwindung kosten können, entsteht die Möglichkeit, diesen Rahmen wieder zu erweitern. Nicht durch Konfrontation im Sinne von Druck, sondern durch verlässliche Führung, die dem Pferd erlaubt, eine neue Erfahrung zu machen. Und genau dort passiert der eigentliche Wandel: Wenn ein Pferd erlebt, dass es eine Situation bewältigen kann, obwohl seine innere Überzeugung zunächst etwas anderes gesagt hat, erweitert sich seine Wahrnehmung von Sicherheit Schritt für Schritt.
Energiearbeit kann in solchen Prozessen unterstützen, vorbereiten oder begleiten. Doch die eigentliche Veränderung entsteht häufig erst dann, wenn das Pferd im konkreten Handeln erlebt, dass sich etwas verändern darf. Dass es durch eine Situation hindurchgehen kann und dabei nicht allein ist. Ist ein Pferd z.B. nicht gerne alleine in der Halle, fühlt sich dort nicht wohl so ist es nicht mein Ansatz die Koppelfreundin mit zu bringen, sondern ihm durch meine Arbeit zu zeigen, dass es sich auch alleine in der Halle gut fühlen kann.
Meine Arbeit bewegt sich genau an diesem Punkt. Nicht im Widerspruch zur energetischen Arbeit, sondern in einer klaren Entscheidung für das, was im Alltag mit dem Pferd wirklich trägt. Für mich geht es darum, Pferde zu begleiten und ihnen im richtigen Moment Orientierung zu geben – klar, verlässlich und so, dass sie es auch tatsächlich umsetzen können.
Denn am Ende entsteht Vertrauen nicht durch das, was wir meinen oder fühlen, sondern durch das, was das Pferd mit uns tatsächlich erlebt und wie es sich damit fühlt.
Im Sinne des Pferdes.

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