In meiner Arbeit mit Pferden geschieht es sehr häufig, dass Prozesse in Gang gesetzt werden. Das liegt daran, dass wir wenig beschwichtigen, sondern eher bereit sind, hinzuschauen und auch herauszufordern.
Es ist ein anderer Weg als die mittlerweile sehr bekannte energetische Herangehensweise. Mir geht es vielmehr darum, dem Pferd Raum zu geben, gewisse Dinge wirklich zu durchleben – sie sichtbar werden zu lassen und gemeinsam zu erkennen, dass es einen anderen Umgang damit geben kann, als sie dauerhaft zu unterdrücken und irgendwie damit zu funktionieren. Meine Herangehensweise ist dabei klarer, direkter – eher eine Form von bewusster Konfrontation.
Ganz nach dem Motto: „Du hast ein Problem? Ok, bring’s auf den Tisch, lass uns hinschauen.“ Die Energie, die dabei frei wird, kann Menschen im ersten Moment erschrecken, denn so kennen viele ihr Pferd überhaupt nicht.
Selbst bei sehr introvertierten Pferden kommen Dinge an die Oberfläche, wenn der Fokus nicht auf Besänftigen, Beschwichtigen oder Regulieren liegt. Und ich glaube, genau das ist der Punkt, vor dem viele zurückschrecken: diese Intensität.
Denn manchmal ist es eben nicht nur ein leises Überlaufen, sondern ein Moment, in dem sich angestaute Emotionen mit Wucht entladen. Und dafür braucht es jemanden, der bereit ist, das zu halten – der nicht zurückweicht, sondern diesen Prozess bewusst mitträgt und begleitet.
Was dabei sichtbar wird, ist oft Frustration, Verwirrung und ein Widerstand, der sich über lange Zeit aus Selbstschutz aufgebaut hat. Doch genau das belastet das Nervensystem, macht Pferde reizbar und nimmt ihnen die innere Sicherheit, die sie so dringend brauchen, um sich vertrauensvoll auf uns einlassen zu können.
Die Anzeichen dafür sind häufig subtil und für Außenstehende kaum zu erkennen. Und auch das „Hervorholen“ selbst ist nur ein Teil – einer, der viel Timing und Erfahrung erfordert. Doch darum soll es heute gar nicht gehen.
Denn ein mindestens genauso wichtiger Aspekt wird oft übersehen:
Was passiert eigentlich danach?
Das Pferd hat alles herausgelassen. Es steht da – erschöpft, nicht nur körperlich, sondern vor allem emotional. Im Körper entsteht eine Leere, das Nervensystem beginnt, zur Ruhe zu kommen. Und langsam taucht ein neues, vielleicht auch längst vergessenes Körpergefühl auf.
Und der Mensch?
Genau hier wird es entscheidend. Denn dieser Moment ist kein „Danach“, das man einfach laufen lässt. Es ist ein sensibler Übergang, der genauso viel Bewusstsein braucht wie der Prozess selbst.
Begleiten bedeutet hier nicht, nichts zu tun und abzuwarten, bis das Pferd mit dem Gähnen fertig ist. Es bedeutet, präsent zu bleiben. Wirklich da zu sein. Mit einer inneren Klarheit und einem Bewusstsein dafür, dass hier gerade etwas in Heilung geht.
Denn es macht einen großen Unterschied, wie wir diesen Moment begleiten. Ob wir wirklich beim Pferd sind – oder gedanklich schon wieder ganz woanders.
Und wer mich kennt, weiß: Das ist immer noch ganz bodenständige, pragmatische Pferdearbeit. Nichts Abgehobenes, nichts Mystisches – sondern klare, ehrliche Begleitung. Im Sinne des Pferdes.

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