Eine weitere Frage, die mir diese Woche von meinen Schülern gestellt wurde.
Nein – ich reite nicht mit Halsring. Nicht, weil ich ihn grundsätzlich ablehne, sondern weil ich nicht glaube, dass er mir die Klarheit ermöglicht, die ich meinem
Pferd in der Umsetzung meiner Hilfen geben möchte.
Und da Klarheit für mich über allem steht, ist es mir ebenso wichtig, mein Pferd gymnastizierend gesund zu reiten – auf psychischer wie auf physischer Ebene.
Eine Durchlässigkeit, die ein Pferd locker über die Oberlinie von hinten nach vorne schwingen lässt, beginnt für mich nicht im Körper – sondern im Kopf.
Damit meine ich nicht den äußeren Kopf oder seine Haltung, sondern die Gedanken des Pferdes.
Ein Pferd, das gedanklich bei mir ist, bei sich und bei seiner Aufgabe, bringt eine Qualität mit, die man nicht „machen“ kann. Es entsteht eine andere Art von Tragen, von Bewegung, von
Verbindung.
Es ist meine persönliche Meinung, wenn ich sage, dass ich nicht glaube, dass es auf Dauer möglich ist, ein Pferd nur mit Halsring wirklich locker und sinnvoll
gymnastiziert zu reiten.
Und die Diskussion darüber entsteht für mich oft weniger im Tun – sondern in der Frage, was wir überhaupt als „gut gymnastiziert“ empfinden.
Für mich zeigt sich Durchlässigkeit darin, dass sie im Kopf beginnt und sich durch den ganzen Körper fortsetzt – in einer Bewegung, die nicht nur korrekt aussieht, sondern sich auch so anfühlt: kraftvoll, getragen und gleichzeitig losgelassen.
Für mich bedeutet das: Das, was ich mir unter einem wirklich gut gymnastizierten Pferd vorstelle, ist auf Dauer nicht mit Halsring möglich.
Nicht, weil der Halsring „schlecht“ ist – sondern weil er in seiner Differenziertheit Grenzen hat. Und genau diese feine Differenzierung ist es, die ein Pferd braucht, um sich langfristig in
dieser Qualität zu entwickeln und zu erhalten.
Was ich damit nicht sage, ist, dass es falsch ist, mit Halsring zu reiten.
Abwechslung kann wertvoll sein. Neue Impulse können bereichern.
Aber für mich gehört auch dazu, ehrlich hinzuschauen, wo die Möglichkeiten aufhören und die Grenzen beginnen.
Denn ja – wir sehen oft diese Bilder: Pferde, die scheinbar mühelos am Halsring gehen, leicht, harmonisch, fast schwerelos.
Aber diese Bilder erzählen selten die ganze Geschichte.
Diese Pferde sind nicht am Halsring ausgebildet worden. Und sie werden in der Regel auch nicht ausschließlich so gearbeitet. Die Basis – die wirkliche Grundlage – entsteht woanders.
Und genau da liegt für mich die Antwort, der entscheidende Punkt:
Ich möchte meinem Pferd in jedem Moment, bei jeder noch so kleinen Frage, Klarheit geben können.
Nicht ungefähr. Nicht irgendwie. Sondern so, dass mein Pferd wirklich verstehen kann.
Und das ist mir wichtiger als alles, was von außen vielleicht besonders sanft oder beeindruckend aussieht.

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