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Wenn eine Alternative die bessere Alternative ist.

Gerade jetzt im Frühling haben viele das Thema mit dem Grasfressen bei Pferden, der Winter war lang, das Gras ist jetzt, wo es frisch aus dem Boden sprießt, attraktiver denn je. Und wieder einmal geht es darum, Nein zu sagen.

Bevor ich aber darauf eingehen möchte, auf das Wie, möchte ich kurz erklären, warum.
Es geht nicht um Macht, Dominanz oder darum, dem Pferd etwas wegzunehmen, nur damit es „funktioniert“.
Es geht um unseren Dialog, der Gelassenheit wegen, der Wichtigkeit wegen. Ich sehe es als Übungspotenzial. Üben, eine hohe Toleranz und Gelassenheit zu bekommen, wenn man mal nicht bekommt, was man möchte, vielleicht nicht jetzt, aber dafür später.

Auch wir Menschen mussten lernen, mit einer Absage klarzukommen. Weil es auch gut ist, wenn das Pferd lernt, sich mit der Grenze, dem Nein, dem Jetzt-nicht gut zu fühlen und nicht in Stress auszuarten.

Übe es, wenn Du kannst, nicht erst, wenn Du musst.

Stelle dir mal folgendes Szenario vor, du kommst mit deinem Pferd zurück vom Ausritt, vorher musst Du noch eine viel befahrene Straße überqueren. Auf der anderen Seite siehst Du schon die Herde die gerade auf die große grüne Weide gelassen wird, die Pferde springen und freuen sich auf das satte grün. Dein Pferd? Sieht es natürlich auch und möchte dorthin. Wenn da nicht die viel befahrene Straße wäre. Wenn Du jetzt nicht Nein sagen kannst ohne dass es  eskaliert, kann das schlimm ausgehen für Dich, Dein Pferd und andere Beteiligte.

Die Wichtigkeit eines Bedürfnisses oder eines Gedankens, den es festhält, ist bei jedem Pferd unterschiedlich. Und es zeigt sich in vielen Varianten, wälzen, Richtungswechsel, grasen etc. Und es ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig, dass es lernt: Es ist okay, mal nicht den Gedanken bis zum Ende zu verfolgen.


Hier sei gesagt, dass dies vor allem in der Jungpferdausbildung enorm wichtig ist. Ist es aber einmal mit klarer Konsequenz etabliert, kann man immer wieder Veränderungen einbauen, im Sinne von: „Jetzt nicht, später, aber jetzt gerne!“ Solange das Nein allerdings nicht voll und ganz verstanden und akzeptiert ist, würde man das Pferd mehr verwirren, wenn man den Impuls von „Jetzt darfst Du“ zu früh einsetzt.

Wer mag schon ständig Nein gesagt bekommen?

Deshalb ist es oft einfacher und leichter für das Pferd anzunehmen, wenn ich meine Herangehensweise mehr darauf fokussiere, zu zeigen, was ich anstatt dessen möchte. Zum Beispiel vorwärts gehen. Einen festen Gedanken mit einem anderen auszutauschen ist leichter, als nur zu hören, dass man das nicht darf. Biete also eine Alternative! Und der Verzicht fühlt sich nicht mehr so schlimm an. Es hilft auch, sich nicht zu quälen, weil man ständig ans Fressen denkt und im Kopf nichts anderes Platz hat. Viel Beschäftigung macht es hier leichter, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren anstelle von Dauerfrust.

Und wenn es mal besser klappt?

Dann spricht doch nichts dagegen, einen Impuls einzuüben, wie ein Gefühl am Seil nach unten mit der Botschaft: Jetzt darfst Du. Oder beim Wälzen ein Scharren mit dem Fuß im Sand. Klare Regeln sind wichtig, denn sie geben Orientierung und damit Sicherheit.
Im Training halte ich es für sehr sinnvoll, diese Szenarien zu üben, denn wer es erst übt, wenn er es braucht, hat schon viele Gelegenheiten verpasst, es mit weniger Vehemenz oder Emotion auf beiden Seiten zu händeln.

Im Grunde geht es hier nicht darum, dem Pferd das Grasfressen zu verbieten, sondern darum, zu üben, dass es möglich ist, Nein zu sagen, ohne dass das Pferd dadurch in Stress gerät. Wie ein kleiner Buddha, der mit sich und der Welt im Reinen ist und den Vorschlägen in Frieden mitgehen kann, weil er ja weiß: Später darf er auch, was er möchte. Und ein Nein ist immer auch eine Alternative.

 

 

 

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