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Festgefahren in Prinzipien

Make the right thing easy, the wrong thing difficult.

Prinzipien aus dem Pferdetraining, die veraltet sind oder die wir nie in der Gänze verstanden haben.

Man sieht es immer noch, erstaunlicherweise. Trainingsprinzipien, die bereits längst veraltet sind, die einfach dem Fortschritt, der Entwicklung nicht standhalten konnten, und doch werden sie vehement praktiziert.

Hier das Treiben der Schulter mit Gerte oder Stick. Dort die Hinterhand, die mit massivem visuellem Druck bewegt wird, von der lateralen Flexion mal ganz zu schweigen. Es sind veraltete Herangehensweisen, derer man sich bedient und bedient und bedient. Obwohl diese Art bereits längst überholt ist oder schon lange festgestellt wurde, dass diese Technik nicht nur veraltet, sondern auch sehr kontraproduktiv war/ist, so halten doch viele daran fest.

Ich erlebe es immer wieder. Fragen, die aus diesen Überzeugungen heraus gestellt werden:

„Aber wenn sie nicht kommt, wenn du sie einlädst, solltest du ihr das nicht unangenehm machen und sie schneller treiben?“

„Äh nein, würde ich sie dann nicht in ihrer Überzeugung, dass es keine gute Idee ist, zu mir zu kommen und meine Einladung anzunehmen, bestätigen?“

Die Frage resultiert aus Unterricht von namhaften Trainern, und natürlich hat sie den Ursprung in der Kernaussage von Ray Hunt: „Mach das Richtige einfach und das Falsche schwierig.“ Der Zusatz „… aber nicht unmöglich!“ wird hier leider schon oft weggelassen. Und somit verfälscht sich das Bild. Hinzu kommt, dass diese Aussage oft aus dem Kontext gerissen wird und dann für alle möglichen Situationen angewandt wird, in denen der Verursacher dieser Botschaft vielleicht eine ganz andere Herangehensweise angewandt hätte.

Das Problem daran, wenn wir Technik anwenden, ohne sie zu verstehen, ist, dass sie häufig im falschen Moment, mit der falschen Intention, dem falschen Timing, dem falschen Ergebnis angewandt wird.

Neulich habe ich ein sehr langes Video gesehen, in dem zwei amerikanische Trainer, basierend auf Zitaten von Tom Dorrance, Pferdetraining vorgeführt haben. Hätte ich es nicht besser gewusst, so hätte ich meine komplette Einstellung zu Tom Dorrance geändert.

Was in diesem Video gezeigt wurde, waren Zitate von Tom, aber die Umsetzung ging komplett in eine andere Richtung. Es wurde so viel umgewandelt, nicht erkannt (Anzeichen des Pferdes), anders interpretiert, dass ich nur noch den Kopf schütteln konnte über eine derartig starke Verdrehung der Aussage.

Im Fall des Videos glaube ich immer noch, dass Tom ein hervorragender Horseman war und Pferde besser verstehen konnte als alle Trainer, die es heute versuchen, ihm nachzumachen. Die Gentlemen in dem Video jedoch haben sich der Zeit angepasst und nicht dem Pferd. Sie haben Methoden „dorranciert“, die Tom mit großer Sicherheit nicht so angewandt hätte.

Genau das ist mein Punkt. Wenn wir Prinzipien anderer Lehrmeister anwenden, müssen wir immer noch das Pferd im absoluten Mittelpunkt sehen. Wir müssen eigenständig denkende Wesen bleiben, die Dinge hinterfragen. Denn ein guter Horseman hat kein 08/15-Programm, das zu jedem Pferd passt. Er passt sein Training jeden Tag an die Bedürfnisse des Pferdes an.

Zitate sind schön, aber es muss klar sein, dass sie niemals auf jede Situation und jedes Pferd passen.

So nein, ich treibe kein Pferd, das nicht zu mir kommt, wenn ich es einlade. Ich arbeite an mir, dass ich die Kommunikation so gestalte, dass es sich mit mir wohlfühlen kann, auch wenn es nicht zu mir kommt. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es kommt, eben weil es sich mit mir im Kontakt wohlfühlt, viel größer.

Ob ein Pferd zu mir kommt oder nicht, hängt also nicht davon ab, wie oft ich es getrieben habe, wenn es nicht kommen wollte, sondern nur davon, wie es sich mit mir in der Arbeit fühlt. Fühlt es sich gesehen mit seinen Bedürfnissen, dann beginnt es zu vertrauen, in Kontakt zu gehen und meine Nähe zu suchen und zu finden.

Es ist unglaublich wichtig, von festgefahrenen Techniken weg und zu ehrlicher Kommunikation hinzukommen. Es bedarf eigenständig denkender Menschen und Situationen, in denen wir durchs Hinschauen dazulernen, vom Pferd.

Es mag ja sein, dass diese Zitate und Tipps und Regeln in einer bestimmten Situation, bei einem bestimmten Pferd, in einem bestimmten Moment genau richtig sind, aber im nächsten Moment kann es genau das Falsche sein. Deshalb ist es so wichtig, sich offen auf das Pferd einzulassen und nicht nur alten Prinzipien hinterherzujagen.

 

Ganz nach dem Motto:
Was wir 30 Jahre falsch gemacht haben, nennen wir heute Erfahrung.

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