Simone und Faith
Auf dieses Bild bin ich nicht wirklich stolz. Dennoch kommt es vor. Hier liegt mein Fokus auf seinen Beinen, ich arbeite präzise an seinem Körper und bin gedanklich ganz bei der Ausführung meiner Handlung. Währenddessen beamt sich Faith innerlich ein Stück weg. Seine Aufmerksamkeit wandert nach links vorne, seine Gedanken sind nicht mehr wirklich bei mir – und genau das wird spürbar.
Plötzlich fühlt sich sein Körper in meiner Hand schwerer an, weniger durchlässig, weniger beteiligt. Und das sieht man auch sehr deutlich. Nicht, weil er sich widersetzt oder etwas „nicht tun will“, sondern weil es mir nicht gelang, ihm die Wichtigkeit zu vermitteln, bei mir und meiner Frage zu bleiben. Wahrscheinlich wurde ich durch meinen falschen Fokus sogar hart in der Hand und habe mich selbst (unbewusst) kurz aus dem Dialog verabschiedet. Wenn seine Gedanken nicht mit seinem Körper im Einklang sind, verändert sich die Qualität der Bewegung – sie wird zäher, weniger fließend, weniger dialogbereit.
In so einem Moment liegt die Verantwortung bei mir. Es ist meine Aufgabe, unser gemeinsames Tun wieder so zu gestalten, dass es für ihn Bedeutung bekommt. Nicht durch mehr Druck oder Korrektur, sondern durch mehr Bewusstheit. Vielleicht braucht es mehr Abwechslung. Vielleicht einen Moment des Innehaltens, in dem ich seine Antworten wieder deutlicher wahrnehme. Und sicherlich bedeutet es auch, meinen eigenen Fokus zu lösen – weg von einem isolierten Körperteil, hin zu ihm als ganzem Wesen.
Sobald seine Gedanken wieder bei mir ankommen, wird sich das unmittelbar in meiner Hand zeigen. Sein Körper fühlt sich wieder leichter an, seine Bewegungen werden weicher und fließender, und zwischen uns entsteht wieder dieses feine, lebendige Gespräch, das man nicht sehen, aber deutlich fühlen kann.
Das ist das letzte Bild aus dieser Blickschulungsserie. Ich hoffe, ich konnte dir einen Einblick geben, wie es ist, mit dem Gegenüber im Dialog zu sein und das Pferd als Ganzes zu sehen – nicht als Körper, den es zu formen gilt. Setz deine Fragen oder Gedanken hierzu gerne in die Kommentare. Ich freue mich und danke allen, die sowohl mit einem mutigen Kommentar als auch mit einer persönlichen Nachricht mitgewirkt haben.
Was all diese Bilder verbindet, ist nicht
die Frage „richtig oder falsch“.
Sondern die Frage:
Wo sind die Gedanken?
Und folgt der Körper diesen Gedanken und ist beides im Einklang mit dem Menschen?
Genau hier beginnt
Blickschulung.
Nicht im Bewerten.
Sondern im Erkennen.

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