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Blickschulung Teil 5

Willkommen zu unserer heutigen Blickschulung. Heute geht es darum, das Pferd wirklich zu sehen – über das Offensichtliche hinaus, hinein in seine feinen Signale, seine Körpersprache und sein momentanes Befinden. Oft glauben wir, wir verstehen ein Pferd, nur weil wir seine Bewegung beobachten. Doch die Wahrheit liegt in den kleinen Details: der Spannung im Rücken, der Haltung der Ohren, dem Atemrhythmus, dem Ausdruck in den Augen.

Unser Ziel ist nicht, das Pferd zu „lesen“, um es zu kontrollieren. Sondern um eine Verbindung aufzubauen, die auf Respekt, Achtsamkeit und echtem Verständnis beruht. Wir üben heute, unsere Wahrnehmung zu schärfen und die Signale des Pferdes bewusst wahrzunehmen, bevor wir handeln. Denn wer wirklich hinsieht, kann nicht übersehen, was das Pferd uns täglich zeigt.

Simone und Faith
(keine Sorge, ich spreche nicht von mir in der dritten Person 😊)

Man könnte meinen, dieses Bild zeigt eine schöne Einheit.
Und ja – sie ist da. Aber sie ist nicht dauerhaft sondern sehr wechselhaft.

Wer genauer hinsieht, erkennt, dass Faith an mir vorbeischaut. Er hat auf mein Einladen reagiert, steht entspannt vor mir – doch im letzten Moment hat sich seine Aufmerksamkeit nach rechts hinter mir gewendet. Nichts Dramatisches. Nichts, was ihn in Spannung bringt. Er hebt den Kopf nicht abrupt, sein Körper bleibt weich. Es war nur ein kurzer Impuls, der seine Wahrnehmung eingefangen hat.

Genau hier entscheidet sich, wie wir Beziehung verstehen. Wenn man sich in solchen Situationen unsicher ist, ob man das Pferd „noch bei sich hat“, muss man nicht hektisch werden oder versuchen, Aufmerksamkeit einzufordern. Man stellt einfach eine kleine Frage.

Solange der Fokus nicht festgefroren ist, sondern beweglich bleibt, wird er sehr wahrscheinlich weich auf meine Frage reagieren – sobald ich wieder etwas zu unserem Dialog beitrage. Aufmerksamkeit ist nichts, das man festhalten muss oder einfordern soll. Sie ist etwas, das man immer wieder neu erhält.

Am Ende dieser Einheit geht es nicht darum, alle Antworten zu haben oder jedes Verhalten sofort zu verstehen. Es geht darum, die eigene Wahrnehmung zu schärfen, achtsam zu bleiben und die Verantwortung zu spüren, die wir für das Wohl unserer Pferde tragen. Jede Minute, die wir bewusst hinschauen, jede kleine Beobachtung, die wir notieren, bringt uns näher zu einem authentischen Miteinander.

Blickschulung ist kein Ziel, das man erreicht, sondern ein Weg, den wir Schritt für Schritt gehen. Mit Geduld, Offenheit und dem Willen, immer wieder neu zu sehen, können wir das Pferd so wahrnehmen, wie es wirklich ist – ein fühlendes, denkendes Wesen, das unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt verdient.

 

 

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