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Blickschulung Teil 4

Carino und Ramona

In diesem Bild verdichtet sich die Situation spürbar. Was auf den ersten Blick nach einer einfachen Kreisarbeit aussieht, zeigt bei genauerem Hinsehen ein inneres Spannungsfeld. Es ist einer dieser Momente, in denen ein Pferd nicht nur eine Bewegung ausführt, sondern zwischen verschiedenen Reizen abwägt. Aufmerksamkeit verteilt sich. Gedanken entstehen gleichzeitig. Und genau dort wird sichtbar, wie fein sich innere Prozesse im Körper ausdrücken.

Hier passiert ganz viel. Carino hat einen Gedanken der nach vorne links gerichtet ist, aus dem Kreis raus, dahin ist sein Blick gerichtet. Einen zweiten Gedanken der nach seinem hinten rechts geht, vermutlich weil das restliche Seil in Ramonas linker Hand schleudert. Sein rechtes Ohr ist deshalb nach hinten gedreht. Er bereitet seinen Körper vor mit der Hinterhand weiter unter zu treten, (dem Schleuderseil zu weichen) sein Brustbein hebt an, was dafür spricht dass er sein Gewicht vermehrt auf die Hinterhand bringen wird. Sein rechtes Vorderbein öffnet und tritt nach innen (mehr rechts) aus gymnastizierender Sicht hebt er hier das Brustbein an und dehnt die Brustmuskulatur auf und stärkt die Hinterhand. Er biegt sich um Ramona herum, wird der Gedanke dem er nach vorne links folgt aber stärker, wird er die Biegung verlieren und gerader werden.

Genau in solchen Momenten zeigt sich, wie eng Gedanke und Körper miteinander verwoben sind. Die Form ist niemals nur Technik, niemals nur äußere Korrektheit. Sie ist das Resultat innerer Ausrichtung. Sobald sich der Fokus verschiebt, verändert sich die Haltung – manchmal kaum sichtbar, manchmal deutlich. Wer lernen möchte, Pferde wirklich zu lesen, muss daher nicht nur auf Beine und Position achten, sondern auf das, was davor entsteht: auf den Gedanken. Dort beginnt jede Bewegung.

 

 

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