Schaut sich dein
Pferd um?
Oder schaut es von dir weg?
In den letzten Tagen haben sich viele von euch – in den Kommentaren oder auch in privaten Nachrichten – Gedanken zu den Bildern aus meinem Post gemacht. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Denn genau darum geht es: hinschauen. Nicht schnell urteilen, sondern wahrnehmen.
Ein Foto ist immer nur eine
Momentaufnahme. Es zeigt einen winzigen Ausschnitt. Ich habe das Privileg, mehr als diesen einen Moment zu kennen – das gesamte Setting und auch das jeweilige Pferd. Trotzdem möchte ich
betonen:
Es geht hier nicht ums Verurteilen. Es geht ums Beurteilen. Um Blickschulung. Um ein feineres Erkennen dessen, was Pferde uns zeigen.
Aus meiner Arbeit als
Kursleiterin kenne ich diesen Prozess sehr gut. Am ersten Tag höre ich oft: „Was du da beschreibst, kann ich nicht sehen.“
Am zweiten Tag kommt ein vorsichtiges: „Meintest du dieses Zucken?“
Am dritten Tag sagen viele: „Ja, ich habe es auch gesehen.“
Und am vierten Tag höre ich manchmal: „Warum hast du das nicht angesprochen? Es war doch so deutlich!“
Genau darüber freue ich mich. Denn Wahrnehmung wächst. Nicht, weil plötzlich mehr passiert – sondern weil wir lernen, mehr zu sehen.
In diesem Sinne möchte ich heute mit Bild eins beginnen.
Bild 1
Carino mit Ramona
Carino wird gebeten, von einem kleinen Kreis auf eine gerade Linie zu wechseln.
Sein Auge wirkt weich und wach. Die Ohren sind nach vorne gerichtet. Sein Blick geht aus dem Kreis heraus – dorthin, wo die neue Linie verläuft. Sein rechtes Vorderbein verlässt bereits die Kreislinie und begibt sich auf die neue Spur. Der Körper beginnt, der neuen Linie zu folgen.
Das sind zunächst reine Beobachtungen.
In der Bedeutung zeigt sich
etwas Entscheidendes:
Seine Gedanken sind dort, wo seine Beine hingehen. Er kann den Vorschlag seines Menschen annehmen und ihm folgen. Das weiche, wache Auge zeigt keine innere Abwehr, sondern Bereitschaft. Hier
sehen wir kein Pferd, das „wegschaut“.
Wir sehen ein Pferd, das sich orientiert in seiner Bewegung im Dialog mit seinem Menschen.
Was all diese Bilder
verbinden wird, ist nicht die Frage nach richtig oder falsch.
Sondern die Frage:
Wo sind die Gedanken?
Und folgt der Körper diesen Gedanken?
Genau dort beginnt
Blickschulung.
Nicht im Bewerten.
Sondern im Erkennen.
Morgen schauen wir uns Bild zwei an.

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