Wahrscheinlich ist das sehr hilfreich in meinem Beruf. Und doch begegne ich immer wieder Menschen, die in diesem oder ähnlichen Bereichen arbeiten und scheinbar keine große Zuneigung zu Menschen haben. Während ich darüber nachdenke, sitze ich an meinem Schreibtisch, draußen liegt Schnee im Garten, alles ist still und kalt, und ein Heizstrahler wärmt meine Füße.
Man hört so viele Geschichten von Pferden, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, die traumatisiert sind, die gelitten haben – und meist steckt ein Mensch dahinter. Auch im Alltag, im Kontakt mit Kunden oder Pferdebesitzern, machen viele die Erfahrung von Unfreundlichkeit, Ungeduld oder fehlendem Respekt.
Und trotzdem: Ich mag Menschen. Ich mache andere Erfahrungen.
Ich begegne Menschen, die für ihr Pferd wirklich das Bestmögliche wollen. Menschen, die bereit sind, hinzuschauen, sich zu hinterfragen und auch unbequeme Wege zu gehen, wenn sie merken, dass es ihrem Pferd damit besser geht. Menschen, die Verantwortung übernehmen – nicht nur für ihr Pferd, sondern auch für sich selbst.
Ich mag meine Einsteller. Menschen, die nicht nur ihren Pferden mit Wertschätzung begegnen, sondern auch einander. Ich erinnere mich an unzählige Situationen, in denen alle zusammen angepackt haben, ganz selbstverständlich, ohne großes Reden. Situationen, in denen gemeinsam gearbeitet, gelacht, geschwitzt oder auch gefroren wurde, und in denen jeder da war, wenn es darauf ankam.
Ich mag meine Kursteilnehmer und Schüler. Menschen, die den Mut haben, sich zu zeigen, Unsicherheiten zuzulassen und Fragen zu stellen, auf die es keine schnellen Antworten gibt. Menschen, die bereit sind, sich selbst ehrlich zu begegnen, weil sie spüren, dass sie nur so ihrem Pferd wirklich gerecht werden können.
Es fällt mir schwer, zu diesen Menschen keine Verbindung entstehen zu lassen. Sie kommen nicht einfach zu einem Kurs, sie vertrauen sich mir an, erzählen ihre Geschichten, ihre Zweifel, ihre Hoffnungen. Und vor allem geben sie ihr Bestes für ihr Pferd. Das verbindet auf eine Weise, die tiefer geht als reine Wissensvermittlung.
Manchmal frage ich mich, warum es bei mir zu einem so großen Teil genau diese Art von Mensch ist. Menschen mit Feingefühl, mit Verantwortungsbewusstsein, mit dem Wunsch, wirklich zu verstehen. Vielleicht, weil genau das die Grundlage meiner Arbeit ist.
Ich liebe es, Menschen auf ihrem Weg mit dem Pferd zu begleiten, sie zu unterstützen und zu coachen. Ich liebe es zu beobachten, wie aus schwierigen, oft festgefahrenen Pferd-Mensch-Beziehungen wieder Bewegung entsteht, wie Vertrauen wächst und aus Unsicherheit nach und nach Klarheit wird.
Und am meisten Liebe ich es, zu beobachten wie
Menschen sich entwickeln, wie sie aus sich heraus wachsen. Und vielleicht ist genau das der schönste Weg überhaupt. Nicht lauter, nicht schneller, nicht perfekter zu werden – sondern
ehrlicher. Weicher im Inneren und klarer im Außen. Zu begreifen, dass Entwicklung nicht bedeutet, etwas darzustellen, sondern etwas loszulassen. Alte Muster, alte Sicherheiten, alte Bilder von
Kontrolle. Und dann Schritt für Schritt zu wachsen – nicht für Applaus, nicht für ein Ergebnis, sondern aus dem tiefen Wunsch heraus: Ich möchte die
Person werden, die mein Pferd braucht.
Nicht morgen. Nicht irgendwann. Sondern heute, in diesem Moment, mit allem, was ich gerade bin.
Und dann ist da der Round Pen.
Wenn ich meine Schülerinnen dort begleite, geschehen Momente, die man nicht erklären kann. Da ist Lara, die ihr Pferd noch nie ohne Angst geführt hat, die zögernd den Round Pen betritt. Ihr Pferd bleibt stehen, schaut sich um, sucht die Sicherheit, die es von ihr bisher noch nie bekommen hat. Ich sehe, wie Lara die Luft anhält, wie ihre Hände sich verkrampfen, wie sie in alte, viel zu vertraute Muster fällt. Doch sie vertraut mir, lässt diese Muster hinter sich und beginnt, für ihr Pferd die Person zu werden, die Sicherheit schenkt. Sie wächst, und mit ihr wächst die Aufmerksamkeit ihres Pferdes, das Vertrauen, das Wohlbefinden. Zum ersten Mal steht das Pferd entspannt neben ihr, lässt los und gibt ab – ein Moment, der nicht nur die Wesen im Round Pen berührt, sondern auch jeden, der diesen Augenblick miterlebt.
Und dann ist da Jeanette, die schon lange kämpft und immer wieder an sich selbst gezweifelt hat. Die Härte mit Klarheit verwechselt, die selbstbewusst sagt: „Mein Pferd kommt nie von selbst zu mir, geschweige denn läuft es mit mir mit.“ Jeanette senkt den Kopf. Ihr selbstsicheres Auftreten hat sie oft einsam gemacht, weil es sie unnahbar erscheinen ließ. Doch sie ist hier, um Heilung zu finden – für sich und ihr Pferd. Am dritten Tag passiert etwas, das alles verändert. Während Jeanette gedankenverloren zum Zaun läuft, um ihr Halfter zu holen, sagt eine Teilnehmerin leise: „Dein Pferd läuft dir nach!“ Ihre Augen werden feucht. Draußen, am Rand des Round Pen, beobachten andere Frauen, einige wischen sich die Tränen weg, andere haben dieses besondere Strahlen in den Augen. Sie spüren, dass hier etwas geschieht, das tiefer geht als jede Lektion, dass Heilung passiert – für Pferd und Mensch.
Ich habe gelernt, dass genau diese Momente die Essenz meiner Arbeit sind. Kein Erfolg im klassischen Sinn, keine Technik, kein schnell erlernbares Muster – sondern tiefe Begegnung, Resonanz und Mut. Frauen werden stark, weil sie in die Klarheit kommen. Sie erkennen ihre eigenen Ängste, nehmen sie an, lassen los und stehen plötzlich frei, verbunden und selbstbewusst.
Wenn ich mir die Bilder aus dem Sommer anschaue, sehe ich all diese Szenen noch einmal. Staub, Sonnenlicht, warme Haut, Schweiß auf den Stirnen, Lachen, leise Atemzüge. Hände, die sanft über Nüstern streichen. Augen, die sich treffen und ein Wort ersetzen. Kleine Siege, große Momente der Wahrheit. Es sind keine Trainingsbilder – es sind Momentaufnahmen von Mut, Vertrauen, Veränderung und Heilung.
Vielleicht ist es genau das, was mich auch jetzt im Winter trägt. Die Gewissheit, dass echte Verbindung nicht von der Jahreszeit abhängt. Dass Wärme entsteht, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für ihr Pferd und für den gemeinsamen Weg.
Und immer wieder denke ich: Es sind genau diese Begegnungen, die meinen Beruf lebendig machen. Die kleinen Wunder im Round Pen, die stillen Tränen draußen, die Momente, in denen jemand sein Herz öffnet und alles verändert. Das ist es, was mich zutiefst berührt und dankbar macht – und warum ich jeden Tag aufstehe, um genau diese Menschen zu treffen.
Und genau das macht meinen Beruf für mich so lebendig, so erfüllend. Die Begegnungen, die kleinen Wunder, die mutigen Schritte. Jedes Mal, wenn jemand in die Klarheit kommt, wenn ein Pferd endlich loslässt, wenn draußen Tränen fließen und Herzen öffnen, weiß ich: Ich habe Menschen getroffen, die wachsen wollen – und das macht mich unendlich dankbar.

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