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Wenn es dann passiert

Man versucht vorzubeugen, bildet sorgfältig aus, legt ein solides Fundament.
Man arbeitet am Boden, übt und übt und übt.
Man denkt, man ist sicher – weil man Profi ist, weil das Pferd eine coole Socke ist, weil sonst ja eigentlich alles passt …

Und doch: wenn es dann passiert, ist man geschockt, frustriert – und bestenfalls nur leicht lädiert.
Der Sturz vom Pferd.

Nicht nur der Mensch bekommt einen Schock. Auch das Pferd versteht die Welt plötzlich nicht mehr.

Viele wissen, dass ich meist über Dinge schreibe, die gerade in meinem eigenen Leben passieren.
Also ja – nur zur Info: Ich habe erst mit der Fliehkraft gekämpft und dann gegen die Schwerkraft verloren.
Bin gestürzt, und mir geht’s den Umständen entsprechend gut.

Aber eigentlich möchte ich gar nicht vom Sturz erzählen, sondern von dem, was nach dem Sturz passiert – und was er mit dem Pferd macht.

In meinem Fall war es ein Jungpferd, seit einem halben Jahr unterm Sattel.
Was genau passiert ist, spielt keine Rolle. Ich brauche auch keine Tipps, wie ich es „hätte besser machen können“. Ich kenne die Ursache – und werde mich darum kümmern.

Worüber ich sprechen möchte, ist das Danach.

Ich bin zu ihm gegangen, habe ihn ruhig geführt und bin gleich wieder aufgestiegen. (ich weiß das geht nicht immer. Aber wenn es möglich ist, wäre es sinnvoll.)
Bin auf beiden Händen angetrabt, um sicherzugehen, dass keine bleibende Reaktion, keine Angst, kein Misstrauen zurückgeblieben ist.
Dann habe ich ihn abgesattelt, ihn massiert, geführt, seine mentale Durchlässigkeit geprüft.
Ich wollte ihm zeigen: Alles ist gut. Zwischen uns ist alles in Ordnung.
Ich habe ihn an den Stellen gestreichelt, die er mag zumindest kann ich das von seinen Reaktionen vermuten – und darauf geachtet, dass er wirklich wieder bei sich ankommt.

Warum?
Weil auch Pferde einen Schock bekommen, wenn sie plötzlich ihren Reiter verlieren.
Sie verstehen oft nicht, was da gerade passiert ist – oder warum.
Viele zeigen deutlich, dass sie sich damit nicht wohlfühlen, dass sie verunsichert sind.

Ich spreche dabei nicht von Schuldgefühlen – ich glaube nicht, dass Pferde Schuld empfinden. Das wäre zu menschlich gedacht.
Aber dieser Wallach war eindeutig down.
Er stand still, ließ den Kopf hängen – und zum ersten Mal senkte er ihn ganz tief neben mir ab, drückte sein Gesicht fest gegen mein Bein.

Deshalb halte ich nichts davon, ein Pferd nach einem Sturz zu bestrafen.
In den allermeisten Fällen war es kein Vorsatz.
Und selbst wenn es „absichtlich“ war – liegt die Ursache fast immer beim Menschen.

Denn letztlich versucht jedes Pferd nur eins: zu überleben und sich selbst zu schützen.
Und dafür sollten wir es nicht bestrafen – sondern verstehen.

 

Vielleicht ist ein Sturz manchmal nur die Einladung, noch ehrlicher hinzuspüren. Und glaubt mir – mein Körper hat die Einladung voll angenommen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Ute Gerster (Mittwoch, 05 November 2025 20:04)

    Wir sollten viel mehr hinhören und lernen unsere Pferde zu verstehen. Vielen Dank für deinen ehrlichen Beitrag.