Es ist bekannt, wie wichtig das richtige Timing im Umgang mit Pferden ist. Timing im Fragen, im Antworten, im Nachgeben, im Halten. Timing entscheidet meist über das Gelingen einer Lektion und ist neben Klarheit und Sicherheit einer der Grundfaktoren, auf denen gute Pferdearbeit aufgebaut ist. Weshalb es mittlerweile sicherlich auch ein Begriff ist, der weder im Unterricht noch in Gesprächen rund ums Pferd wegzudenken ist.
Wie wichtig Timing für ein Pferd ist, das habe ich bereits in unzähligen Beiträgen erwähnt und werde nicht müde, immer wieder darüber zu schreiben.
Wo jeder denkt: „Ja, habe ich verstanden“, zeigt sich doch immer wieder ein weiteres Puzzleteil, das in dieses große komplexe „Timing-Bild“ passt. Heute möchte ich eine Erfahrung teilen, die wir im ersten Modul der Staffel 8 machen durften.
Es geht um eine Stute, die gelernt hatte, sich steigend und mit angelegten Ohren und offenem Maul gegen jeglichen Vorschlag des Menschen zu wehren. Sie hat bereits eine Geschichte hinter sich – auf dem Sonnenhof und auch bei ihrer Besitzerin.
Das Motto dieser Woche könnte man „Klarheit mit Geduld und Zeit“ nennen. Denn es zeigte sich, dass sie zeitverzögert reagiert. Nicht weil es ihr egal ist oder sie sich verweigern möchte, sondern weil sie Eindrücke und Prozesse langsamer verarbeitet als manche andere Pferde.
Und genau da wurde es für mich spannend.
Denn wir sprechen im Pferdetraining oft über gutes Timing. Über den richtigen Moment. Über schnelle und klare Antworten. Aber manchmal bedeutet gutes Timing eben nicht, schneller zu werden. Manchmal bedeutet gutes Timing, warten zu können. Wirklich zu warten.
Nicht jedes Pferd antwortet gleich schnell.
Und nicht jedes Pferd braucht mehr Druck, mehr Klarheit oder mehr Konsequenz. Manche Pferde brauchen einfach mehr Zeit, um einen Gedanken zu Ende denken zu können.
Sie braucht einfach ein paar Minuten länger.
Zu erwarten, dass sie genauso prompt antwortet wie andere Pferde, wird ihr nicht gerecht.
Sie zeigt das sehr deutlich. Denn wenn es ihr zu schnell geht, kommt immer noch dieses dezente Abwehrverhalten, mit dem sie früher scheinbar immer wieder ihr Leben gerettet hat. Hat sie aber Vorlauf, kann man ihren Denkprozess beinahe beobachten.
Den ersten Gedanken: Abwehr.
Den zweiten Gedanken: Verteidigung.
Und irgendwann kommt ein dritter Gedanke. Das Gefühl, doch loslassen zu können.
Dann verändert sich ihr ganzer Ausdruck. Sie antwortet, lässt sich darauf ein und findet in eine sichtbare innere Gelassenheit.
Dies zu erkennen erfordert Flexibilität. Denn es bedeutet, von Grundprinzipien, die durchaus ihre Berechtigung im Pferdetraining haben, auch einmal abzuweichen. Hinzuschauen und sich ehrlich zu fragen: Was benötigt genau dieses Pferd heute?
Es erfordert Experimentierfreudigkeit und lädt dazu ein, echte Fragen zu stellen. Nicht: „Kannst Du antraben?“ oder „Kannst Du eine Volte gehen?“, sondern Fragen wie: „Was brauchst Du, um weich in den Trab zu finden?“
Und dann sollte man auch wirklich zuhören, was die Dame zu sagen hat. Denn das Letzte, was sie möchte, ist das Pferd zu sein, das aggressiv alle Menschen von sich weghält. Sie möchte verstanden werden, um in einen wunderschönen Dialog zu kommen.
Und genau dort entsteht plötzlich Verbindung.
Ruhe.
Miteinander.
Dann kommt man zusammen und genießt genau diese Momente, in denen man sich innerlich das imaginäre Snickers reicht, wenn´s mal wieder länger dauert.

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