Ähnlicher Titel mit völlig anderem Ausgang.
Unsere Pferde tragen heute unglaublich viel für uns. Sie sind Kinderersatz, Partnerersatz, beste Freunde, Seelentröster, Zuhörer und manchmal fast so etwas wie emotionale Anker in einer Welt, die für viele Menschen immer schneller, lauter und einsamer wird. Sie erfüllen unser Bedürfnis nach Nähe, Geborgenheit, Fürsorge und danach, gebraucht zu werden. Aber auch um Macht und Überlegenheit zu spüren und unser Ego zu befriedigen.
Und ich frage mich manchmal, wie viel ein Pferd eigentlich noch einfach Pferd sein darf. Und wie fair es ist, ihnen all diese Aufgaben aufzuerlegen.
Denn oft geht es um viel mehr als nur um Liebe zum Pferd. Es geht um unsere eigenen Themen. Um die Dinge in uns, die ungelöst geblieben sind. Um Sehnsüchte, Minderwertigkeitsgefühle, Einsamkeit, Anerkennung, Kontrolle, Selbstbestätigung oder den verzweifelten Wunsch, endlich irgendwo Bedeutung zu finden.
Pferde werden gekauft und verkauft, um sich selbst oder der Welt zu beweisen, dass man es kann. Dass man erfolgreich ist. Kompetent. Besonders. Pferde werden gezüchtet, weil irgendwo tief in uns noch immer der Kleinmädchentraum vom eigenen Fohlen lebt, ohne dass wirklich gefragt wird, ob die Welt noch ein weiteres Pferd braucht oder ob man diesem Leben tatsächlich gerecht werden kann, denn wenn nicht- kann man es ja wieder verkaufen! Pferde werden zum Statussymbol, zum Lebensinhalt, zur Bühne für das eigene Ego oder zum emotionalen Pflaster für Wunden, die eigentlich ganz woanders entstanden sind und die auch ganz woanders geheilt werden sollten!
Und das Tragische daran ist nicht einmal, dass Menschen Bedürfnisse haben. Das haben wir alle. Tragisch wird es dort, wo ein Tier beginnen muss, diese Bedürfnisse für uns zu (er)tragen.
Denn ein Pferd kommt nicht auf die Welt, um unsere inneren Lücken zu füllen oder dauerhaft die Verantwortung für unser emotionales Gleichgewicht zu übernehmen. Es ist nicht geboren worden, um uns zu retten, uns vollständig zu machen oder all das aufzufangen, was uns im Leben fehlt.
Und dennoch geschieht genau das immer häufiger. Menschen klammern sich an ihre Pferde, suchen Halt, Trost, Bestätigung und Sinn. Aus Beziehung wird dann manchmal unbemerkt Abhängigkeit. Das Pferd soll Nähe schenken, Verständnis geben, Sicherheit vermitteln und dabei am besten jederzeit verfügbar sein.
Viele Pferde tragen das still mit. Manche ziehen sich zurück. Manche funktionieren einfach weiter. Und manche beginnen sehr leise zu zeigen, dass ihnen diese Rolle längst zu groß geworden ist.
Vielleicht wäre eine der wichtigsten Fragen überhaupt, ob ein Pferd diese Leere, dieses ständige Kompensieren wirklich tragen kann. Denn ich glaube, es ist oft nur ein Pflaster, das eine Wunde bedeckt, die tief in uns selbst heilen müsste. Kein Pferd kann das. Kein anderer Mensch kann das.
Es ist unsere Aufgabe, uns um unsere Themen zu kümmern. Nicht die des Pferdes, des Freundes, des Mannes oder des Kindes. Unsere.
Und solange hierfür kein Bewusstsein geschaffen wird, wird es in den Ställen dieser Welt weiterhin Pferde geben, die existieren sollen, um dem Menschen bei seinen inneren Themen zu helfen. Eine Aufgabe, die sie niemals wirklich erfüllen können.
Denn wenn wir für ein Pferd verantwortlich sind, sollten wir uns fragen, ob wir ihm begegnen können, ohne dass es eine bestimmte Rolle für uns erfüllen muss. Nicht als Therapeut, nicht als Partnerersatz, nicht als Projektionsfläche unserer Wünsche und auch nicht als emotionaler Retter. Sondern einfach als das, was es ist: ein Pferd. Ein eigenes Wesen mit eigenen Bedürfnissen, eigenen Grenzen, eigener Persönlichkeit und eigener Würde.
Vielleicht beginnt genau dort eine Beziehung, die wirklich frei ist. Dort, wo das Pferd nicht länger die Wunden des Menschen tragen muss, sondern der Mensch beginnt, echte Verantwortung für dieses Lebewesen zu übernehmen. Eine Beziehung, in der Begegnung möglich wird, ohne emotionale Lasten auf den Schultern des Pferdes abzuladen.

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