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Meine Meinung zur Einwirkung des äußeren Zügels

Heute Morgen habe ich einen Beitrag gelesen, der mich wieder einmal an ein bekanntes Thema in der Pferdewelt erinnert hat: Wir neigen dazu, Hilfen deutlich komplizierter zu denken, als Pferde sie überhaupt verstehen müssen oder können. Und genau darin liegt für mich der eigentliche Kern dieses ganzen Themas rund um den äußeren Zügel.

Denn im Grunde geht es nicht nur um eine einzelne Hilfe, sondern um die Art, wie wir Kommunikation im Ganzen gestalten.

Pferde brauchen aus meiner Sicht keine komplexen Systeme aus innen und außen, aus drücken, halten und korrigieren, sondern eine klare, fühlbare und vor allem verständliche Idee, an der sie sich orientieren können.

Wenn ich mir die klassischen Aussagen anschaue, dann wird das innere Bein oft so beschrieben, dass es das Pferd daran hindert, in der Wendung auf die innere Schulter zu kippen, dass es die Innenbiegung unterstützt und gleichzeitig die Energie in Richtung äußeren Zügel aufnimmt. Der äußere Zügel wiederum soll nach außen begrenzen, damit das Pferd nicht über die äußere Schulter ausbricht und sich im Rahmen stabilisiert.

Viele, die das einmal gelernt haben, erinnern sich noch daran, wie schwer nicht nur die Umsetzung, sondern schon das Verständnis am Anfang war.

Und genau hier beginnt für mich das eigentliche Problem, denn wir bauen daraus schnell ein System, das sehr logisch klingt, aber für das Pferd in seiner Einfachheit kaum noch lesbar ist.

Wir verlangen damit oft eine Art von Antwort, die nicht aus natürlicher Verständlichkeit entsteht, sondern aus Korrektur und Vermeidung.

In meiner Arbeit versuche ich deshalb immer wieder, genau das Gegenteil zu tun, nämlich die Dinge zu reduzieren, bis nur noch das übrig bleibt, was wirklich notwendig ist: eine klare Idee, die das Pferd fühlen und beantworten kann.

Ein Pferd, das gelernt hat, dem Gefühl im Zügel oder im Seil zu folgen und mental wirklich in Verbindung ist, braucht keinen zusätzlichen Rahmen, um sich in einer Wendung zu organisieren. Es begibt sich dann nicht in eine Form, sondern folgt einer Idee.

Wenn diese Art der Kommunikation am Boden beginnt und später im Sattel nicht mehr wiederzufinden ist, dann liegt das Problem aus meiner Sicht nicht im äußeren oder inneren Zügel, auch nicht am inneren Schenkel, sondern in der fehlenden Übertragung dieser grundsätzlichen Verbindung.

Ich habe mit meinem Freund Ross Jacobs oft über genau dieses Thema gesprochen, und ein Beispiel von ihm beschreibt das sehr klar: Wenn du die Zügel wegnimmst und den inneren Schenkel anlegst, werden sich die meisten Pferde nicht in diese Hilfe hinein biegen, sondern ihr ausweichen. Und genau das ist nichts Ungewöhnliches, sondern schlicht das Ergebnis dessen, was sie gelernt haben. Dies macht den inneren Schenkel sinnlos für Balance und Biegung.

Wenn ein Pferd so reagiert, entsteht daraus schnell die Idee, außen gegenhalten zu müssen, nicht mehr als Rahmen im klassischen Sinn, sondern als Reaktion auf ein gelerntes Ausweichen.

Und wenn man denselben Gedanken umkehrt und versucht, ausschließlich über den äußeren Zügel zu wenden, sieht man meistens Pferde die eine Außenwendung vollziehen.

Für mich stellt sich dabei immer wieder dieselbe Frage: Warum arbeiten wir mit Hilfen, die sich gegenseitig so leicht widersprechen können, statt mit einer Idee, die eindeutig ist?

Die einfachste und gleichzeitig klarste Form der Kommunikation ist für mich deshalb eine andere. Sie lautet nicht innen drücken, außen halten, sondern eher: kannst du diesem Gefühl folgen.

Das ist kein technisches System, sondern eine Frage an das Pferd.

Wenn wir zu viele Informationen gleichzeitig geben, entsteht für das Pferd oft weniger Klarheit darüber, was es tun soll, und mehr Druck darüber, was es vermeiden soll. Und genau das führt selten zu echter Balance, sondern eher zu Anpassung oder Ausweichen.

Für mich entsteht echte Balance nicht durch das ständige Korrigieren der äußeren Form, sondern durch die innere Verbindung zur Idee.

Wenn diese Verbindung fehlt, dann liegt das eigentliche Thema nicht im äußeren Zügel, sondern in der fehlenden gemeinsamen Orientierung.

Mein Ziel ist es deshalb nicht, Pferde in eine Form zu bringen, sondern ihnen zu helfen, eine Idee zu verstehen, der sie freiwillig folgen können. Aus diesem Verständnis heraus entsteht dann etwas, das viel stabiler ist als jede äußere Korrektur: Selbstorganisation in Balance.

Anstatt mein Pferd mit widersprüchlichen Hilfen zu verwirren, schenke ich ihm Klarheit durch Gefühl und Vertrauen darin, dass es sich selbst tragen kann – und das schon lange bevor sich ein Reiter überhaupt daraufsetzt und beginnt zu glauben, formen zu müssen.

 

Denn wie Harry Whitney es einmal so treffend gesagt hat: Wenn du die Gedanken des Pferdes hast, folgen die Beine. Und ein Gedanke wiegt nichts.

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