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Üben Teil 4 a Sauer geübt

 

Ich sehe es immer wieder: Menschen geben sich große Mühe, weil sie sich wünschen, eins mit ihrem Pferd zu werden. Sie sind bereit, so viel zu geben. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – gelingt es ihnen nicht.

Und ich sehe, wie sie sich dabei verlieren. Wie der Fokus sich verschiebt, weg von der Individualität hin zum Gehorsam. Wie Muster entstehen, die mehr festhalten als verbinden.

Und ich sehe, dass viele Profis, die hinzugezogen werden, Technik vermitteln, ohne das Gefühl dahinter wirklich mitzunehmen.

Heute war ich wieder unterwegs. Dabei lernte ich eine sehr sensible Stute kennen und eine Besitzerin, der sehr viel an ihr liegt. Sie ist bereit, immer weiter zu üben, immer weiter zu suchen. Doch die Jahre ziehen ins Land, und der Zustand wird eher schlechter als besser.

Trainer werden hinzugezogen in der Hoffnung auf Veränderung. Und nach vielen Einheiten echten Versuchens trennt man sich wieder. Nicht, weil nicht gearbeitet wurde, sondern weil sich am Ende nichts wirklich verändert hat.

Das Widersetzen bleibt. Der Unwille bleibt. Das Schweifschlagen bleibt. Und auch die angelegten Ohren und hochgezogenen Nüstern bleiben nicht nur, sie werden deutlicher, klarer.

Die Übung, die sie zeigen soll, ist alt geworden. Unverändert seit Jahren. Eine Dauerschleife. Und ich sehe ihren Körper. Ich sehe eine schlecht bemuskelte Stute, wackelige Hinterbeine, keine wirkliche Stabilität – weder im Körper noch in der Psyche.I ch lasse mir zeigen, was klappt und was nicht klappt. Und dazwischen verschwimmt der Unterschied.

Die Besitzerin spürt, dass etwas nicht passt. Sie spürt es deutlich. Aber sie kann nicht greifen, was es ist.

Und oft bin ich dann der letzte Versuch. Der letzte Strohhalm. Wenn Menschen eigentlich schon aufgeben wollen, aber noch einmal hoffen.

Ich spreche von Wichtigkeit, von Dialog und Klarheit. Und ich frage, ob ich das Pferd kurz übernehmen darf. Wir beginnen uns zu begegnen. Nicht über Leistung oder Erwartung, sondern über Aufmerksamkeit durch einen neuen Dialog.

So beginne ich also, Fragen zu stellen, neue Fragen. Fragen, die sie nicht schon tausendmal gehört hat. Fragen, die nicht sofort beantwortet werden können, sondern Fragen über die man nachdenken muss.

„Kannst du hier rüberschauen?“
„Nein, nur schauen, nicht laufen – danke.“

„Kannst du mit mir loslaufen?“
„Gib mir bitte mehr Wichtigkeit-danke.“

„Kannst du die Hinterhand untersetzen?“
„Danke.“

„Wie wäre es mit Beschleunigen?“
„Danke.“

„Wie langsam kannst du Schritt gehen?“

Und etwas verändert sich.

Die Augen werden wacher. Sie beginnt, mich zwischen den Fragen anzusehen. Als würde sie sagen: Okay… und jetzt?

Die Übergänge werden weicher. Die Ohren sind gespitzt. Der Rücken beginnt zu schwingen. Die Schritte werden kraftvoller. Und der gesamte Ausdruck verändert sich.

Sie ist sehr schlau. Und sie zeigt deutlich, dass sie Interesse an diesem Dialog hat.

Der Galopp – scheinbar aus dem Nichts ausgelöst (denn niemand konnte erkennen dass ich mein Schambein angehoben habe) – ist kraftvoll und gleichzeitig weich.

Sie arbeitet gerne mit. Was für ein großartiges Mädchen.

Es sind Momente wie diese, die mich voller Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllen, denn Pferde können sich so schnell auf mich einlassen. Und es sind genau diese Momente, die mir zeigen, wie wenig es braucht, um ein Pferd in echte Freude zu bringen. Und es sind gleichzeitig genau diese Momente, die schmerzhaft deutlich machen, wie viele Menschen und noch mehr Pferde damit allein gelassen werden.

Und es sind genau diese Situationen, die mich traurig machen, weil so viele Menschen bereit sind, Hilfe anzunehmen, aber kaum Unterstützung für diesen Weg bekommen.

Und es sind genau diese Situationen, die mich fassungslos machen, weil so viele Trainingsmethoden noch immer auf Technik beruhen, während das eigentliche Pferd dahinter nicht wirklich gesehen wird.

Bleibt die große Frage: Ist sie heute gestiegen? Nein. Es ging nicht darum, ihr das Steigen abzugewöhnen, sondern darum, das Miteinander so zu gestalten, dass sie gar keinen Grund hat, sich mit Steigen der Situation zu entziehen.

 

 

 

 

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