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Üben Teil 3 Üben oder Ernst – aus Respekt und Ehrfurcht vor dem Pferd

 

Die Arbeit mit dem Pferd sieht jeder ein wenig anders.
Und doch gibt es diese Momente – gerade im Unterrichten – in denen mir ganz bewusst wird, wie viel Verantwortung wir eigentlich tragen.

Wir arbeiten mit diesen wundervollen Wesen, treten mit ihnen in Kommunikation, bitten sie um etwas – und gehen Schritt für Schritt gemeinsam unseren Weg.

Ein Pferd ist kein Wesen, das „einfach mal mitmacht“. Es lebt im Hier und Jetzt, klar, wach und ehrlich. Nichts, was es tut, geschieht beiläufig oder ohne Bedeutung. Jede Reaktion trägt eine Botschaft in sich, jede Bewegung ist Antwort auf das, was wir in diesem Moment ausstrahlen. Und selbst dann, wenn wir unklar sind oder widersprüchlich werden – bleibt das Pferd doch bemüht, mit uns in Verbindung zu treten. Es versucht zu verstehen. Es sucht nach Sinn in unserem Tun. Immer.

Und vielleicht lohnt es sich, an dieser Stelle noch etwas tiefer zu schauen.

Ein Pferd ist ein Fluchttier. Und deshalb auch gleichzeitig ein Meister im Energiesparen.
Es setzt seine Energie nicht grundlos oder Absichtslos ein – sondern immer im Hinblick auf das, was für sein Überleben sinnvoll ist. Bewegung hat für ein Pferd eine klare Funktion: Sicherheit schaffen, Distanz gewinnen, sich schützen, Energie zur Nahrungsaufnahme geschieht hier auch nicht zufällig sondern immer mit Sinn und Absicht.  Energie wird dosiert, bewusst und vor allem
sinnvoll eingesetzt.

Wenn wir also ein Pferd bewegen wollen, es um etwas bitten, es in Aktivität bringen, dann spürt es in sich ganz unmittelbar:
Macht das gerade Sinn? Ist es wichtig genug, dafür Energie einzusetzen?

Und genau hier entscheidet sich alles.

Trainingsmethoden. Übungseinheiten. Wiederholungen.
Begriffe, die für uns Menschen selbstverständlich sind – für ein Pferd jedoch oft ohne wirkliche Bedeutung bleiben. Denn ein „Wir üben das jetzt mal“ existiert in seiner Welt nicht. Was bleibt, ist nur die Frage:
Warum?
Warum sollte ich mich bewegen? Warum soll ich dir folgen? Warum ist das jetzt wichtig?

Wenn wir darauf keine klare, fühlbare Antwort geben, entsteht Leere. Und in dieser Leere verliert sich nicht nur die Motivation des Pferdes – sondern auch die Gesundheit im Tun. Denn ein Pferd, das Energie ohne erkennbaren Sinn einsetzen soll, gerät innerlich in einen Konflikt. Es beginnt, sich entweder zu entziehen, abzuschalten oder in einer Form von Spannung zu funktionieren, die langfristig nichts mit echtem Wohlbefinden zu tun hat.

Dabei ist es eigentlich so viel einfacher, als wir oft glauben.

Es braucht keine komplizierten Konzepte. Kein perfektes System.
Es braucht vor allem eines: echte Bedeutung die aus uns heraus entsteht.

In dem Moment, in dem etwas für uns wirklich wichtig wird – nicht halb, nicht gedanklich, sondern zu 100 % – verändert sich alles. Unsere Körpersprache wird klarer. Unsere Energie wird fokussierter. Unsere Bewegungen bekommen Präzision. Und genau das ist es, was das Pferd wahrnimmt. Es spürt diese innere Klarheit, diese Entschlossenheit, diese Echtheit. Und plötzlich wird aus einer „Übung“ etwas Reales. Etwas, das Sinn ergibt.

Das Pferd beginnt, sich daran zu orientieren. Es übernimmt diese Wichtigkeit, weil sie für einen Moment greifbar wird.
Und genau dann entsteht das, was wir uns so oft wünschen: Wachheit, Präsenz, Motivation und ein echtes Miteinander.

In meinen Kursen ist es mir deshalb ein tiefes Anliegen, dem Wesen Pferd mit Ehrfurcht und Respekt zu begegnen. Nicht als Floskel, sondern als innere Haltung. Und zu dieser Haltung gehört für mich untrennbar, dass wir in der Lage sind, unserem Pferd bei allem, worum wir es bitten, einen Sinn zu vermitteln.

Denn wenn wir ehrlich sind:
Wenn wir selbst nicht wirklich fühlen, warum etwas wichtig ist – wie soll es dann für das Pferd von Bedeutung sein?

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich entscheidet, ob wir einfach nur „üben“ …
oder ob wir beginnen, wirklich miteinander aktiv zu sein.

Und jetzt kommt meine absolute Überzeugung – und ja, sie wird manche schockieren:
Wenn wir unserem Pferd diese Klarheit, diese Bedeutung, diese innere Wahrheit nicht geben können, dann haben wir nicht das Recht, überhaupt etwas von ihm zu verlangen.

 

Respekt zeigt sich nicht in dem, was wir vom Pferd bekommen.
Sondern in dem, was wir bereit und fähig sind, ihm zu geben.

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