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Üben Teil 2 Wann macht Üben dennoch Sinn?

 

Diesmal geht es um Situationen, in denen Üben plötzlich wirklich entscheidend wird: Situationen wie Hufbearbeitung, Physio oder Tierarztbesuche. Bei vielen erwachsenen Pferden überhaupt kein Problem – doch woher können sie es eigentlich?

Wer schon mal mit Jungpferden gearbeitet hat, weiß, dass Dinge nicht von irgendwoher eingepflanzt werden. Angebunden sein, Hufe heben, dem Gefühl des Seils folgen – all das bedarf in der Lernphase eines Pferdes viel mehr Zeit, ja, viel mehr Übung, um es gut zu etablieren, als im erwachsenen Alter.

Natürlich gibt es auch hier große Unterschiede: Viele Jungpferde lassen sehr viel mit sich machen, sind vertrauensvoll und lassen sich auf neue Dinge ein.

Es gibt aber auch die anderen. Die, die vielleicht schon die ein oder andere schlechte Erfahrung gemacht haben.

Gerade der Tierarztbesuch hat nicht selten mit Zeitdruck zu tun. Wer kennt sie nicht, die Tierärzte vom alten Schlag – immer in Eile, seltsame Gerüche an sich, fokussiert auf den rein medizinischen Blickwinkel.

Und bevor man es sich versieht, rauscht das Auto schon wieder vom Hof.

Zurück bleibt eine Rechnung und manchmal ein Pferd, das nicht verstanden hat, was da gerade mit ihm passiert ist. Und du musst dann auffangen, was gerade verloren ging.

Es gibt Pferde, die damit nicht gut umgehen können, die sich vielleicht noch abhören lassen, aber beim Spritzen hört dann der Spaß auf. Und genau da beginnt unser Üben.

Zur Vorbereitung auf solche Besuche kann man wirklich seiner Fantasie freien Lauf lassen. Bereits der Venenstau lässt Pferde, die damit negative Erfahrungen verbinden, schon skeptisch werden und anspannen. Also bezieht man es einfach in den Alltag mit ein: Hautfalte ziehen, mit leeren Spritzen ohne Nadel üben, piksen – hier eignet sich ein Zahnstocher sehr gut, und immer mit dem Ziel, dass dein Pferd dabei innerlich weich bleiben kann. Klappt das gut, so sollte man auch immer wieder fremde Personen mit einbeziehen. Jeder Mensch hat eine andere Energie, einen anderen Geruch – es geht hier darum, Toleranz dem Ungewohnten entgegenzubringen. Denn Anspannung macht beim Spritzen mehr Autsch als ein entspannter Muskel.

Viele unterschiedliche Szenarien mit dem Pferd immer wieder durchzuspielen, ist hier definitiv Üben für den Ernstfall, hält dein Pferd flexibel und auf Dauer belastbarer, was fremde Eindrücke betrifft. Und eine der wichtigsten Fragen dabei ist: Wann fängst du an – und wann bleibst du dran?

Idealerweise kannst du deinem Pferd das beste Feedback geben, wenn du dich dann zurücknimmst, wenn es entspannt – und nicht, wenn es gerade kurz vorm Explodieren ist. Dinge wirklich gemeinsam mit ihm aushalten – das ist die Devise, sofern das möglich ist.

Hier kann man auch mal einen Tierarzt oder eine Tierärztin des Vertrauens hinzuziehen – Üben für den tatsächlichen Besuch. Tu es, solange du kannst, nicht erst, wenn du musst. Wichtig ist, dass dein Tierarzt weiß, dass er nur zum Üben kommt, und in der Lage ist, sich etwas von dir sagen zu lassen. Tierärzte haben oft nicht dieses feine Gefühl für Timing, was sie ja auch nicht müssen – sie müssen nur in der Lage sein, mit dir und deinem Pferd zu arbeiten. Natürlich kostet der Tierarzt dafür auch etwas, aber auf lange Sicht ist es doch gut investiertes Geld und stressfreier für dein Pferd.

Und am Ende?

Am Ende geht es doch wieder um Durchlässigkeit. Sie sollte in jeder Sekunde, die du mit deinem Pferd zusammen bist, wichtig sein, denn sie hilft euch immer wieder zum Erfolg. Ein durchlässiges Pferd kann viel mehr „ertragen“ oder „aushalten“ als ein Pferd, das noch nicht gelernt hat, dass Loslassen immer eine gute Entscheidung ist.

Üben kann also in vielen Dingen sinnvoll sein. Am Ende ist es immer die Durchlässigkeit die zum Ziel führt!

 

 

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