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Üben Teil 1 Und wenn ich üben sage, dann meine ich nicht üben

Ein weiterer Satz meiner Stilblüten, die ich häufig im Eifer des Gefechts während eines Kurses zur allgemeinen Belustigung raushaue, ohne es zu merken.

Und doch ist da mehr dahinter, als man im ersten Moment glaubt – denn dieses „Üben“ nimmt uns oft genau das, worauf es eigentlich ankommt. Ja, wir üben, wir wiederholen, wir probieren aus. Oft unter Anleitung, manchmal weniger oft – obwohl öfter besser wäre.
Wir machen uns Gedanken, wie wir dem Pferd Dinge präsentieren. Dabei geht es häufig gar nicht darum, das, was bereits funktioniert, zu verfeinern, sondern wir verlieren uns viel mehr in den Dingen, die noch nicht klappen.

Doch was genau meine ich mit diesem – zugegeben – erst einmal ziemlich verwirrenden Satz?
Vielleicht kann ich es an einem Beispiel erklären:

Anette arbeitet schon eine Weile daran, mehr Präsenz zu erlangen. Es geht um ihre innere Haltung, um das, was sie dem Pferd vermittelt, wenn sie versucht, ihr Sicherheit für die Aufgaben des Alltags mitzugeben.
Man kann in allem, was sie mit ihrer Stute tut, erkennen, dass Libby Anette weder wirklich wahrnimmt noch die Aufgabe an sich ernst nimmt (was ja auch sehr schwierig ist, wenn der Mensch nicht mit Überzeugung und Inbrunst dabei ist).

Wir arbeiten schon eine Weile an der Außenwendung (oder soll ich besser „üben“ sagen?). Denn so wirklich klappt das bei Anette und ihrer Libby auch nicht. Libby beschleunigt, wenn Anette die notwendige Veränderung einleiten möchte. Anette zieht dann zurück und versucht es ein paar Schritte später noch einmal – mit noch weniger Erfolg.

Übrigens: Falls euch meine Meinung zum Thema Innenwendung/Außenwendung interessiert, gebt mir gerne ein Feedback dazu.

Dieses „Üben“ führt immer mehr dazu, dass Libby Anette früher und früher lesen kann und dementsprechend auch immer früher Gas gibt, um dem Engpass zu durchlaufen. Da müssten wir also weiter „üben“ – zumindest, wenn wir glauben, dass mehr Wiederholung hier wirklich zu mehr Klarheit führt. Man kann Libby mittlerweile aber auch den Frust ansehen, weil sie nicht wirklich versteht, was der Sinn hinter dieser Aufgabe ist (entschuldigt, ich sollte beim Wortstamm „üben“ bleiben).

Und dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hat: Libby bleibt stehen und äppelt. Einfach so, auf dem Hufschlag, vor uns allen! Das ist schon ein Ding. In diesem Moment war uns das Ausmaß dieser Handlung und was daraus entstehen könnte, noch nicht bewusst.
Also Obacht!

Beherzt schnappt sich eine Kursteilnehmerin eine Bollengabel, um das Objekt des Schames zu entfernen. Ich warne Anette noch, dass sie jetzt für das Leben dieser Teilnehmerin verantwortlich sei und sie vor dem schamlosen 590-kg-Tier schützen müsse, nicht überrannt zu werden. Geistesgegenwärtig nickt Anette und wirft sich fast mit vollem Körpereinsatz (um ehrlich zu sein, war es nur das Fähnchen nach vorne ausgestreckt, aber das klingt mir hier einfach nicht dramatisch genug!) zwischen Libby und die Reinigungskraft.

Libby, die eigentlich gerade durchstarten wollte, erkennt den Ernst der Situation und wendet, ohne dies in Frage zu stellen, in die andere Richtung.

Krimi Ende.

Was war geschehen? Es wurde Ernst. Es war kein Üben mehr, das uns in unserer Handlung oft die Wichtigkeit nimmt. Plötzlich ging es wirklich um etwas – und genau das veränderte alles in Anettes Haltung: für sich selbst, für ihr Pferd und in diesem Fall auch für Margot, die nichtsahnend zur größten Unterstützung dieser Session wurde. Denn Margot machte aus einer Übungseinheit Realität.

Dass es genau in diesem Moment geklappt hat, ist kein Zufall. Genau das ist der Grund, warum ich nicht gerne von „Üben“ spreche, wenn es um den Dialog und das Miteinander mit dem Pferd geht. Wir müssen in der Lage sein, dem Moment die Bedeutung zu geben, die er verdient – denn für das Pferd gibt es kein „Üben“. Es gibt nur Wahrheit.

 

In den nächsten Tagen werden noch ein paar weitere Beispiele folgen, in denen ich meine Gedanken zum Thema Üben mit euch teile. Bleibt also dran, und wenn ihr ein weiteres Beispiel für diese wichtige Botschaft habt, schreibt es gerne in die Kommentare, ich bin schon gespannt! 

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