· 

Wenn du einen Wunsch frei hättest…

Stell dir vor, diese sagenumwobene Jeany würde plötzlich vor dir stehen und dir diesen einen Wunsch schenken. Einen einzigen, für dich und dein Pferd. Und es wäre nichts Magisches. Kein Gedankenlesen, keine lautlose Sprache. Sondern etwas Echtes. Etwas, das wachsen darf. Etwas, das man lernen kann.

Und wenn du dann wirklich ehrlich in dich hineinspürst – was wäre es?

Diese Frage begleitet mich oft, gerade auch in meiner Arbeit. Und manchmal zeigt sie sich nicht in großen Worten, sondern ganz leise, in einem scheinbar kleinen Anliegen.

Ich erinnere mich an ein Pferd, zu dem ich gerufen wurde. Der Wunsch war klar formuliert: „Er soll einfach am Anbindeplatz still stehen können.“
Ein nachvollziehbarer Wunsch allerdings sehr an der oberfläche, ohne Hintergründe zu erkennen.

Dieses Pferd konnte nirgendwo wirklich stehen. Nicht, weil es „nicht wollte“, sondern weil es keinen Ort hatte, an dem es sich sicher fühlte. Vor allem nicht neben seiner Besitzerin. Es fehlte ihm an Klarheit und Sicherheit. An einem Gefühl von Orientierung. Es wusste schlicht nicht: Wo ist mein Platz?

Also begann es zu suchen. Es kroch regelrecht in sie hinein, kam ihr körperlich immer näher, fast aufdringlich – und doch war es kein ich möchte bei Dir sein, sondern einfach ein ich will nicht da sein wo ich bin. Auch in keinster Weise ein Respektproblem. Es war die verzweifelte Suche nach einer Orientierung. Nach diesem einen Punkt, an dem es sagen kann: Hier bin ich richtig. Hier kann ich loslassen, denn hier fühle ich mich gut.

Gleichzeitig hatte es niegelernt, auf Gefühl am Halfter richtig zu reagieren. Sobald also jegliche Form von Zug entstand reagierte es mit widerstand und begann immer nach hinten zu gehen. Dem Zug zu entweichen. Und im angebundenen Zustand führte genau das dazu, dass es sich losriss, sobald dieses Gefühl entstand.

Wenn man nur auf das äußere Verhalten schaut, bleibt oft nur die Korrektur in der man mit mehr Festhalten mehr Kontrolle erreichen will.

Doch als wir begonnen haben, dem Gefühl dahinter zu folgen – wirklich hinzusehen, was diesem Pferd fehlt – hat sich etwas verändert. Es ging nicht mehr darum, stehen zu bleiben.
Sondern darum, einen Platz zu finden, an dem man sich sicher fühlen kann.

Einen klaren, verlässlichen Raum neben dem Menschen, der einen Rahmen bietet und Sicherheit gibt.

Und in dem Moment, in dem dieses Pferd verstanden hat: Hier ist mein Platz. Hier werde ich gesehen. Hier gibt es Klarheit. – konnte es plötzlich einfach stehen. Ganz ruhig und ganz selbstverständlich.

Nicht, weil es von ihm verlangt wurde, sondern weil ihm gezeigt wurde wie es sich hier wohlfühlen kann.

Und genau da sind wir wieder bei dieser Frage…

Wenn du einen Wunsch frei hättest – wäre es wirklich das Verhalten im Außen?
Oder ist es vielleicht dieses eine Gefühl darunter, das alles verändert?

Mich interessiert es, was Menschen sich wirklich wünschen, wenn sie zu einem Kurs kommen. Nicht das perfekte Funktionieren, sondern dieses tiefe Bedürfnis nach Verbindung, nach Verständnis, nach einem echten Miteinander. Und so oft ergibt das eine das andere: Wer an Vertrauen arbeitet, bekommt ein sichereres Pferd. Wer an Klarheit arbeitet, hilft dem Pferd zur Entspannung. Wer an Sicherheit arbeitet, bekommt ein Pferd, das ihm folgt.

Vielleicht magst du einmal hineinspüren…

 

Was wäre dein Wunsch?

Kommentar schreiben

Kommentare: 0