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Was bleibt, wenn sich alles verändert – meine Arbeit mit Pferden

Ich bin auf einem Wanderritt.

Nicht zum Freizeitvergnügen, sondern eher beruflich. Und gleichzeitig genieße ich es sehr, mit dem Pferd unterwegs zu sein, in fremder Region, vom Rittführer gut geführt. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Piet und Sarah von Piet Adventure in der Vulkaneifel für diese wundervolle Begleitung und Gastfreundschaft: https://piets-adventure-trails.de/.

Ein bisschen stolz bin ich schon auf mein Ausbildungspferd, denn er hat bereits viel gelernt. Seit einer Weile begleite ich ihn, und wir sind durch einige Entwicklungsstadien gegangen. Meine Aufgabe mit ihm? Er soll ein zuverlässiges Wanderreitpferd werden.

Mit ihm in unterschiedlichen Regionen unterwegs zu sein, bedeutet – neben der eigentlichen Absicht, ihm Vielfalt zu bieten –, in verschiedene Facetten der Reiterei einzutauchen. Jeder Betrieb hat nunmal seine eigene Handschrift und gleichzeitig entsteht Raum zum Nachdenken, was im Alltag eher untergeht.

So saß ich heute bei meiner ersten Tasse Kaffee über einem Buch, das im Gemeinschaftsraum, dem „Saloon“, ausgestellt ist: „The Idaho Cowboy“. Die Bilder erinnern mich an einen Teil meines Lebens – damals in Colorado als Wrangler im Paint Horse Stable, in Arizona als Schülerin bei Harry Whitney. Und während ich dort sitze, wird mir bewusst, wie sehr sich nicht nur mein Weg, sondern auch die Pferdewelt verändert hat. Heute fühle ich mich kurz dorthin zurückversetzt. Hier wird der Western gelebt – im Outfit, im Reitstil, im Setup.

Während mein Blick über die Bilderserie schweift, wandern auch meine Gedanken durch meine Vergangenheit. Was habe ich abgelegt, was ist geblieben, wo liegen heute meine Prioritäten?

Nicht nur mein Bewusstsein für das Pferd hat sich verändert. Auch die Veränderung im Bewusstsein der Menschen wird immer deutlicher – das merke ich an den Kommentaren unter meinen Beiträgen. Bei manchen scheint es mir nicht zu gelingen, meine Botschaft wirklich zu transportieren. Schnell wird man in Schubladen gesteckt, in die man eigentlich nicht gehört. Extreme in verschiedene Richtungen werden sichtbarer. Wo früher noch das Wohl des Pferdes ein gemeinsamer Nenner war, zeigt sich heute auch in der Reiter- und Pferdewelt zunehmend Spaltung. Mehr Verurteilung gegenüber denen, die es anders machen. Im Netz ist Verurteilen einfach. Man nutzt die Bühne anderer, um sich darzustellen. Doch wer mit einem Finger auf andere zeigt, zeigt mit dreien auf sich selbst.

Ich begegne unterschiedlichen Betrieben und Herangehensweisen. Manche teile ich, andere nicht. Und ich sehe zufriedene Pferde, die anders gearbeitet werden, als ich es unterrichte. Ich urteile nicht – ich nehme wahr.

Zurück zu den Kommentaren: oft urteilend, manchmal zustimmend, selten fragend. Wer seinen Standpunkt ehrlich teilen möchte, braucht ein dickes Fell und ein breites Kreuz. Denn Kritik ist lauter und verbreitet sich hartnäckiger als Zustimmung.

Ich nehme viele Bewegungen in der Pferdewelt wahr. Vom Pferd als Sportgerät, missbraucht im Profisport, bis zum artgerecht wild lebenden Pferd, dessen Bedürfnisse „von den Augen abgelesen werden“ und als einzige Wahrheit gelten. Und alles dazwischen. Und jeder scheint von seiner Herangehensweise so überzeugt, dass kaum noch Raum für andere Sichtweisen bleibt.

Mein Blick bleibt an einem Bild hängen: ein Cowboy im Nebel, inmitten einer Rinderherde – die romantisierte Version eines harten Jobs. Wer kennt diese Bilder nicht aus der Marlboro-Werbung? Eine Zeit lang habe ich dieses Leben gelebt. Doch was möchte ich heute?

Ich möchte reiten – sowohl für mich als auch für mein Pferd entspannt . Ich möchte Pferde darin unterstützen, mit ihrem Menschen ein Leben ohne Stress führen zu können. Reitbar in soliden Grundgangarten, gesund – sowohl psychisch als auch physisch.

Ich weiß, dass es mittlerweile viele Menschen gibt, die das Reiten verurteilen. Ich sehe es anders, und das ist okay. Ich sage nicht, dass es richtig oder falsch ist. Manche mögen es verurteilen, weil ich ein Pferd „benutze“. Ich sehe meine Aufgabe darin, das Leben für das Pferd nicht nur erträglich, sondern gut zu machen – ihm Dinge beizubringen, die ihm Sicherheit geben.

Wie diesem jungen Freiberger, den ich hier dabeihabe. Es tut ihm gut, in einer kleinen Pferdegruppe unterwegs zu sein. Er lernt, steile Wege hinauf- und hinabzugehen, vorne, mittendrin oder auch ganz hinten – was für ein Jungpferd oft die größere Herausforderung ist. Er lernt, mit seinen Kräften hauszuhalten, durch tiefen Matsch zu gehen und über Baumstämme zu klettern. Ebenso lernt er, in unterschiedlichen Ställen mit verschiedenen Pferden zur Ruhe zu kommen und zu fressen um dann wieder alleine im Transporter nach Hause gefahren zu werden.

Mir ist wichtig, ihn langsam und schonend auf diese Aufgabe vorzubereiten, ohne ihn zu überfordern. Ich glaube daran, dass er lernen kann, dieses Leben gut zu meistern – nicht nur zu funktionieren, sondern wirklich zu leben. Ohne Stress. Mit Selbstbewusstsein.

Ich möchte ihm Klarheit geben und damit Sicherheit. Ihm Dinge zutrauen, ihm Zeit lassen. Die Wanderritte die sein Besitzer und ich momentan mit ihm machen, 7 sind auf ihn zugeschnitten, angepasst an seine Fähigkeiten – und er wächst daran. Ruhig, Schritt für Schritt.

Und heute Morgen, als wir ihn auf dem Reitplatz laufen ließen, kam er nach einigen Runden – in denen er sich orientiert, Pferde begrüßt und Dampf abgelassen hatte – zu uns zurück. Er stellte sich neben mich und seinen Besitzer und fand Halt und Ruhe.

 

Denn vor allem wünsche ich mir, dass mein Pferd weiß, dass unsere Beziehung gut sein darf – für mich und für ihn. Und dass genau darin alles beginnt.

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